Geschenkt…

Klar: „Die Redakteurinnen und Redakteure der Axel Springer AG sind sich der Verantwortung bewusst, die sie für die Information und Meinungsbildung in Deutschland haben.“ Und deshalb steht in Springers „Leitlinien der journalistischen Unabhängigkeit“ auch:

"Einladungen und Geschenke: Die Gefährdung unabhängiger journalistischer Arbeit durch persönliche Vorteilsnahme ist Gegenstand der Ziffer 15 des Pressekodex. Schon der Anschein, die Entscheidungsfreiheit von Journalisten könne durch Gewährung von Einladungen oder Geschenken beeinträchtigt werden, ist zu vermeiden.
Die Journalisten bei Axel Springer (...) nehmen keine Geschenke an, die den Charakter einer persönlichen Vorteilsnahme haben, oder geben diese – falls die Annahme unvermeidbar ist – an den Verlag weiter, der diese karitativen Zwecken zuführt."

Man sollte meinen, das sei eindeutig. Ist es aber nicht, wie das NDR-Medienmagazin „Zapp“ herausfand. „Zapp“ berichtete vor der HSV-Aufsichtsratswahl vom vergangenen Wochenende von einer Kampagne der „Bild“-Hamburg zugunsten des HSV-Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann – und fand heraus*, dass sich der Hamburger Sportchef der „Bild“-Zeitung, Jürgen Schnitgerhans, unlängst vom HSV-Vorstand eine über 1000 Euro teure Armbanduhr hatte schenken lassen.

Heute nun veröffentlicht „Zapp“ dazu die komplette Stellungnahme des „Bild“-Sprechers Tobias Fröhlich, die zeigt, wie man bei „Bild“ den „Anschein, die Entscheidungsfreiheit von Journalisten könne durch Gewährung von (…) Geschenken beeinträchtigt werden“, vermeidet:

Hr. Schnitgerhans hat sich keine Uhr vom HSV-Vorstand „schenken lassen“. Sondern vielmehr wurde ihm diese Uhr vom gesamten HSV-Vorstand zum 60. Geburtstag als Würdigung und Anerkennung für seine 37-jährige Tätigkeit als Sportreporter für verschiedene Medien und speziell als journalistischer und kritischer Begleiter des Vereins überreicht. Dies wurde auch so in der Ansprache des Vorstands artikuliert.

Er wurde also für seine Gesamtleistung als langjähriger Sportjournalist und nicht als BILD-Reporter ausgezeichnet. Schnitgerhans schrieb über den HSV 1971 beim Sportmegaphon Lübeck, ab 1973 bei der Hamburger Morgenpost, seit 1980 für BILD. Aus diesem Grund sehen wir diese Auszeichnung nicht im Widerspruch zu unseren Leitlinien.
(Hervorhebungen von uns.)

*) Nachtrag, 17.23 Uhr: Aus der „Spiegel“-Redaktion wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass der „Spiegel“ bereits wenige Tage vor der „Zapp“-Sendung berichtet hatte, dass HSV-Chef Hoffmann „im März vergangenen Jahres dem Hamburger Sportchef von ‚Bild‘ eine Uhr im Wert von über 1000 Euro zu einem Dienstjubiläum geschenkt hat und auch die Laudatio hielt“. Das hatten wir bedauerlicherweise übersehen. Korrektur: An dieser Stelle hatten wir dem „Spiegel“ zunächst ganz nebenbei unterstellt, das Magazin hätte in seiner eigenen Berichterstattung unerwähnt gelassen, dass zu den HSV-Aufsichtsratskandidaten auch ein „Spiegel“-Redakteur zählte. Das war falsch. Wir bitten um Entschuldigung.