„Bild“ lässt Lierhaus keine Ruhe

Es ist nicht so, dass die Mitteilung, die die ARD vergangenen Mittwoch über Monica Lierhaus herausgab, irgendwas an Deutlichkeit vermissen ließ:

Monica Lierhaus ist ernsthaft erkrankt. Sie musste sich Anfang des Jahres einer Operation unterziehen und liegt zurzeit im künstlichen Koma.

Volker Herres, Programmdirektor Erstes Deutsches Fernsehen: „(…) Was sie im Moment am dringendsten braucht, ist Ruhe. Ich appelliere daher an alle Medien, ihre Privatsphäre zu respektieren und von journalistischen Nachfragen bei Freunden, Verwandten und in ihrem Umfeld abzusehen.“

Wie sueddeutsche.de jedoch heute berichtet, sandte Lierhaus‘ Anwalt „eine Stunde nach der ARD-Meldung“ auch nochmal ein Fax an die Medien:

Da forderten die Juristen „im Auftrag unserer Mandantin“ auf, „Recherche und Berichterstattung über die Erkrankung zu unterlassen“ – das gehöre zum „innersten Bereich der Privatsphäre“.

Es ist nicht davon auszugehen, dass ausgerechnet die „Bild“-Redaktion dieses Fax nicht erhielt. Doch es hat, genau wie die ARD-Mitteilung, den Haken, dass darin keinerlei Antwort auf die naheliegende Frage gegeben wird, woran Lierhaus erkrankt ist. „Bild“ reichte das am Donnerstag sehr groß auf der Titelseite nach und nannte dort erste Details, die bislang zwar offiziell nicht bestätigt, dafür aber von vielen anderen Medien verbreitet wurden.

Doch heute wird „Bild“ noch genauer. Im folgenden ein Ausriss aus dem „Bild“-Text, in dem wir alle Stellen geschwärzt haben, die Informationen enthalten, die über das hinaus gehen, was die ARD in ihrer Mitteilung preis gab:

Überraschend ist es freilich nicht, dass „Bild“ sich über die Wünsche von Monika Lierhaus hinwegsetzt.

„Bild“ ist jedoch nicht das einzige Medium, das mehr über Lierhaus‘ Erkrankung berichtet, als sie möchte. Sowohl die „Hamburger Morgenpost“ als auch der „Berliner Kurier“ hatten bereits gestern über dieselben ersten Details berichtet wie „Bild“.

Doch selbst die „Bild“-Berichterstattung erscheint zurückhaltend im Vergleich zu dem, was die „WAZ“ heute veranstaltet. Die versteigt sich in wildeste Spekulationen („Über die Gründe konnte […] nur spekuliert werden“, „Spekuliert wird jedoch“), befragt unbeteiligte Experten über verschiedene Krankheitsbilder im Allgemeinen und zieht Schlüsse, die mit pseudo-journalistischen Satzbausteinen wie „die Fakten sprechen eher für“ oder „nach bisherigen Erkenntnissen“ garniert sind, um zu verschleiern, dass die „WAZ“ genau das nicht hat: Fakten und Erkenntnisse. Bereinigt um alles andere sieht der Artikel dann so aus:

Mit Dank an die zahlreichen Hinweisgeber.