ORF, Zenith, Implosion

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Der erfundene Zeuge“
(falter.at, Wolfgang Zwander)
Verschiedene österreichische Medien übernehmen Vorwürfe der „Kärntner Woche“ gegen den Landeshauptmann von Kärnten, Peter Kaiser. „Wirklich unangenehm für den Landeschef ist allerdings vor allem, dass vom ORF abwärts alle relevanten Medien des Landes einen Bericht übernahmen, der schlicht falsch war. Und dass Journalisten lieber ihren Souffleuren aus den Parteien glaubten als den Fakten und Originaldokumenten. Eine Durchsicht der Polizeiakten zeigt nämlich: den besagten Zeugen, der Kaiser angeblich belastete, hat es nie gegeben.“

2. „ORF retuschiert Logos der Konkurrenz weg“
(kobuk.at, Teresa Hammerl)
Die ORF-Nachrichtensendung „Zeit im Bild“ entfernt auf einem Bild zur Ankündigung eines Beitrags die Schriftzüge der Mikrofone von Konkurrenzsendern. Die Pressestelle bedauert auf Anfrage „die individuelle Fehlleistung eines Mitarbeiters“: „Aufgrund des sehr engen Zeitkorsetts konnte das Hintergrundbild inhaltlich-redaktionell nicht mehr kontrolliert werden.“

3. „Wie ein Orientmagazin Ziel türkischer Hacker wurde“
(welt.de, Iris Alanyali)
Die Website des Orientmagazins „Zenith“ wird angegriffen, nachdem die aktuelle Ausgabe eine fiktive Karte Kurdistans auf dem Titelbild zeigt. Ein Interview mit Chefredakteur Daniel Gerlach.

4. „Springer wird radikal digital“
(wiwo.de, Franziska Bluhm)
Der Axel-Springer-Verlag verkauft mehrere Traditionsblätter an die Funke Mediengruppe (vormals WAZ Mediengruppe): „Der Verkauf der Titel ist vor allem eins: konsequent. Er zeigt, wie ernst es der Konzern, der sich bereits in den vergangenen Jahren von einem klassischen Verlag zu einem Medienhaus gewandelt hat, mit der Digitalisierung meint.“

5. „Springer, Funke und das Schlimmste, das noch kommt“
(indiskretionehrensache.de, Thomas Knüwer)
Thomas Knüwer sieht den Verkauf als „die Implosion einer Branche, mit deren Produkten wir täglich Kontakt haben, deren Arbeit wichtig sein könnte für die Gesellschaft. Und an deren Ende auch unsere Städte ganz anders aussehen, unser Alltagsleben sich verändern könnte.“

6. „Rette sich wer kann! Was jeder Journalist aus der Print-Amputation bei Springer lernen sollte“
(lousypennies.de, Karsten Lohmeyer)
Karsten Lohmeyer schreibt: „Im Rückblick werden Wirtschaftshistoriker vermutlich jenen 25. Juli 2013 als den entscheidenden Punkt definieren, an dem Springer-Vorstandschef Döpfner den Grundstein für sein Medienhaus der Zukunft gelegt hat – ohne den Ballast von Print-Produkten abseits von Bild und Welt. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem man noch eine knappe Milliarde dafür erlösen konnte. Selbst wenn man 260 Millionen davon quasi als Kredit an die Funke-Gruppe vergab.“ Siehe dazu auch „Hat die Funke Mediengruppe sich da ein Ei gelegt?“, ein Interview mit Steffen Grimberg auf Deutschlandradio Kultur.

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