Gewinner des Jahres

Lange nichts von Helmut Kohl gehört. Im vergangenen Jahr war noch mächtig was los: Er gewann einen Prozess (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), er bekam einen Preis in Polen (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), er schrieb einen Bestseller (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), er schrieb wirklich einen Bestseller (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), er bekam einen Preis in Bayern (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), er gewann noch einen Prozess (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), er wurde Ehrenbürger seiner Heimatstadt (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages), und er bekam einen Preis in Italien (und wurde dafür bei „Bild“ Gewinner des Tages).

In diesen Minuten zeichnet „Bild“ Helmut Kohl mit dem „Bild“-Medienpreis „Osgar 2005“ dafür aus, dass er im vergangenen Jahr am häufigsten Gewinner des Tages in „Bild“ war dass er sich für die deutsche Einheit, eine starke EU und ein freiheitliches Osteuropa eingesetzt hat.

Und wenn er dafür morgen nicht Gewinner des Tages in „Bild“ ist, werden wir nachfragen, was da schiefgelaufen ist. Versprochen!

Nachtrag, 16.03.2005:
Also schiefgelaufen ist da natürlich nix. Im Gegenteil: „Helmut Kohl ist ja quasi ‚Gewinner‘ des Tages,“ so ein „Bild“-Sprecher unter Verweis auf die begleitende Berichterstattung, „weil er zusammen mit sieben weiteren wichtigen Persönlichkeiten den Osgar gewonnen hat.“ Das leuchtet ein – zumal die Springer-Zeitung „Bild“ den „Gewinner“-Platz so mal wieder anderweitig zu nutzen verstand und ihn kurzerhand dem Geschäftsführenden Redakteur der Springer-Zeitungen „Welt“ und „Welt am Sonntag“ zueignete.