„Bild“ weiß, was Frauen denken

So ganz kann sich die „Bild“-Zeitung immer noch nicht damit abfinden, dass drei Parteien in Schleswig-Holstein einfach über Politik und Ministerpräsidenten entscheiden, nur weil sie bei einer Wahl die Mehrheit der Sitze im Landtag errungen haben. Und dass es sich bei den entscheidenden Personen nicht um richtige Politiker, sondern nur um Frauen handelt, scheint die Sache für „Bild“ nur noch beunruhigender zu machen:

Meine Damen, wie lange geht das gut?

fragte „Bild“ gestern groß auf Seite 2 und stellte fest:

„Deutschlands Norden ist seit gestern in Frauenhand!“

Zum Glück weiß „Bild“, was Frauen denken. Ministerpräsidentin Heide Simonis denkt: „Klasse! Jetzt kriegt mich hier keiner mehr weg!“, Anne Lütkes von den Grünen denkt: „Prima! Jetzt können wir die Küste mit noch mehr Windrädern zupflastern!“ und Anke Spoorendonk vom SSW denkt: „Super! Ich krieg‘ sogar Oppositionszulage!“

Das ist, nun ja, mutig von „Bild“. Denn es ist noch kein Jahr her, dass die Zeitung wegen solcher Denkblasen mit von „Bild“ ausgedachten Gedanken von Sibel Kekilli verklagt wurde. Der „Bild“-Anwalt hatte argumentiert, dass eine Denkblase im Gegensatz zu einer Sprechblase offensichtlich karikierend und daher kein falsches Zitat sei. Das Berliner Landgericht sah das anders.

Anscheinend kann sich „Bild“ aber eine Berichterstattung ohne Denkblasen nicht vorstellen. Immerhin steht neben dem Foto der Satz:

BILD hat darüber nachgedacht, was die drei mächtigen Frauen jetzt wohl so denken

Eigentlich ist also das, was aussieht wie Berichterstattung, nichts weiter als eine Denkblase von „Bild“.