Wochenrückblick Nr. 37

Die Gratiszeitung kommt nach Deutschland, kein Schmerzensgeld für Günther Jauch, ein Offizier mit Loch im Strumpf und die Leserzahlen der Schweizer Printpresse in unserem Wochenrückblick.

Die Gratiszeitung kommt nach Deutschland, kein Schmerzensgeld für Günther Jauch, ein Offizier mit Loch im Strumpf und die Leserzahlen der Schweizer Printpresse in unserem Rückblick auf die 37. Kalenderwoche.

Kate McAlpine (Keystone/AP/Anja Niedringhaus)

Das Bild der Woche: Mit einem YouTube-Video erklärt Kate McAlpine, was Physiker mit dem gerade in Betrieb genommenen Teilchenbeschleuniger CERN erforschen. Der „Large Hadron Rap“ der 23-Jährigen wurde bereits rund drei Millionen Mal abgerufen, McAlpine zur Internet-Berühmtheit.

Kurt W. Zimmermann (ca. 57) wurde am Verleger-Kongress in Montreux zusammen mit Jürg Ramspeck (Alter unbekannt) gelobt. Nicht von irgendwem, sondern vom CEO des Axel-Springer-Verlags, Mathias Döpfner. Seine Worte werden vom Klein Report so kolportiert: „Solche Leute würden interessanteren Journalismus betreiben als Blogs und User generated Content, kritisierte er jene, die die Zukunft der Publizistik in den elektronisch verbreiteten Tagebüchern und Leserbriefen zu sehen glauben.“

Der gleiche Kurt W. Zimmermann analysierte in der Weltwoche die neuen Leserzahlen der schweizer Printpresse (nur für Abonennten zugänglich). Wir empfehlen dazu Blogeinträge, nämlich „Kurt W. Zimmermann rechnet. Wir rechnen auch“ von Bettina Büsser und „Schönschreiber Kurt W. Zimmermann“ von Thomas Benkö. Nochmal Döpfner: „Die Zukunft gehört den Journalisten, bei denen die Selbstkritik wichtiger ist als die Selbstzufriedenheit“.

Weiter kommentierte Döpfner die von seinem Verlag per Medienmitteilung dementierte Meldung, Springer gehöre nun zu den Gratiszeitungsverlegern mit den Worten: „Wenn die ‚Berliner Morgenpost Wochenend-Extra‘ eine Gratiszeitung ist, sind wir seit mehreren Jahrzehnten Gratiszeitungsverleger.“

Dem für Ringier tätigen Publizisten Frank A. Meyer wurde von der Weltwoche vorgehalten, verantwortlich zu sein für „Verluste von über 300 Millionen Franken“. Das Verdikt: „Wer wagt, darf auch verlieren. Man kann Meyer zugutehalten, dass ihm der Journalismus stets wichtiger war als die Kosten. Tatsächlich hat kein einziges Projekt von Meyers Gnaden im Schweizer Printmarkt jemals funktioniert. Im besten Fall blieben die Konzepte in der Schublade.“

Der Angegriffene machte sich derweil berechtigte Sorgen um den Journalismus: „Die Medienmacht wird von den Regierenden offenbar als derart bedrohlich wahrgenommen, dass sie ständig einen sogenannten Kommunikationsexperten brauchen, der ihnen das Händchen hält, neuerdings brauchen sie sogar einen rechts und einen links.“ Als Gesprächspartner für Politiker forderte er „intellektuell kompetente Persönlichkeiten“, denn: „Heute werden auf Bundesräte leider – vor allem von den privaten elektronischen Medien – Knaben und Mädchen losgelassen, die das Abc der Politik nur stammelnd buchstabieren können, wenn überhaupt.“

Günther Jauch kriegte keine 130.000 Euro Schmerzensgeld, weil ein Foto von ihm „beim Sektempfang nach seiner Hochzeit im Hof der Potsdamer Friedenskirche“ veröffentlicht wurde – stattdessen musste er die „die Kosten des Rechtsstreits“ tragen.

Ein Offizier mit einem Loch in der Socke förderte eine Flut von Leserbriefen, der Bundestrainer der deutschen Fussballer, Jogi Löw, schwieg lieber, als mit Johannes B. Kerner zu reden und die Bundesrätin Micheline Calmy-Rey trat in der Sendung Arena, in der sich angeblich politische Gegner zum Streit der Argumente treffen, gegen zwei Journalisten an.

Inhalte aus einem medienlese.com-Test wurden in die Leserbriefseite des Nebelspalters aufgenommen. Meistgelesen letzte Woche wurden Blochers Vorwürfe an Ringier, meistgeklickt bei „6 vor 9“ wurde „Plumpheit, dein Name ist Spiegel Online„.