Die Opfer, die „Bild“ bringt (3)

Israelische Bomben töten keine Unschuldigen. Jedenfalls nicht in „Bild“.

Man konnte das schon beim Libanon-Krieg im Sommer 2006 erleben, als „Bild“ israelische Opfer doppelt zählte und libanesische gar nicht, Kritik an Israel aus ihren Berichten fernhielt, aus unüberprüften Behauptungen der israelischen Armee Tatsachen machte sowie Zeitungszitate fälschte und Angaben über Opfer manipulierte.

Jetzt führt Israel Krieg im Gaza-Streifen, und alles ist wie gehabt. Seit Tagen scheint es keine zivilen Opfer auf palästinensischer Seite zu geben, jedenfalls kommen sie in „Bild“ nicht vor. Die Toten und Verletzten sind „Terroristen“. „Bild“ meldet heute über die ersten Folgen der israelischen Bodenoffensive:

35 Terroristen werden getötet, darunter mindestens drei ranghohe Hamas-Chefs.

Die „Neue Zürcher Zeitung“ schreibt dagegen:

Bis zum Sonntagabend zählten die Palästinenser 35 Todesopfer und 130 Verletzte (…).

Es scheint, als gebrauche „Bild“ das Wort „Terrorist“ als Synonym für „Palästinenser“ oder „Bewohner des Gaza-Streifens“. Das würde erklären, warum „Bild“ heute auch schreibt:

Rund 400 Terroristen sollen in den letzten neun Tagen getötet worden sein.

Wieder zum Vergleich die „Neue Zürcher Zeitung“:

So zählte der Leiter der Notfalldienste im Shifa-Spital, dem grössten Spital von Gaza, am Samstag 100 Kinder und 40 Frauen unter den total 463 Todesopfern, das entspricht 30 Prozent. Die Leiterin des Uno-Hilfswerks Unrwa in Gaza, Karen Abuzeid, schätzte den Anteil ziviler Opfer auf 25 Prozent. Diese Indikatoren für zivile Opfer wären noch um eine unbekannte Zahl für männliche Tote zu erhöhen, weil unter diesen in der Eile gar nicht zwischen Kämpfern und Zivilisten unterschieden werden kann.

Vielleicht hat „Bild“ aber auch einfach gerechnet: Die Nachrichtenagentur AP meldete gestern, die Zahl aller Toten sei „auf mehr als 500, darunter mindestens 100 Zivilpersonen“ gestiegen. Macht für „Bild“ einfach 400 getötete Terroristen — und die anderen Opfer zählen nicht.

PS: Den Ursprung des ganzen Konfliktes hat die „Bild“-Zeitung ihren Lesern bereits am 30. Dezember 2008 erklärt, und das sogar ganz ohne lästige geschichtliche Hintergründe:

WOHER KOMMT DIESER HASS AUF DIE JUDEN UND IHREN STAAT?

Ein Grund ist: Israel ist ganz anders als alle seine Nachbarn – eine Demokratie, die einzige der Region. Weltoffen, lebenslustig, modern, erfolgreich, Frauen sind gleichberechtigt. Das schafft Neid. Gerade bei denen, die nichts haben.

So einfach ist das.

Mit Dank an Tilman D. und Michael K.