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Wie „Bild“ recherchiert

Heute stellen wir uns vor, wir wären Patricia Dreyer. Wir würden bei „Bild“ arbeiten und müssten als Urlaubsvertretung von Christiane Hoffmann ihre „Ich weiß es!“-Kolumne füllen. Bislang hätten wir nur wenig aufregende Modeaufnahmen von Liz Hurley und die Nachricht, dass sich Herr Effenberg und Frau Effenberg auf einer Party öffentlich geknutscht haben, aber damit leider den Platz noch nicht gefüllt. Nun würde uns die sensationelle Nachricht erreichen, dass sich die Hollywood-Legende und Oscar-Preisträgerin Shirley MacLaine (70) das Gesicht operieren ließ, um auszusehen wie ihre jüngere Kollegin Sharon Stone. Behaupten würde das irgendeine Fotoagentur, die auch gleich einen „Beweis“ für diese sensationelle Nachricht mitgeliefert hätte: Ein Foto von einer älteren Frau, die nicht aussieht wie Shirley MacLaine, aber ein bisschen wie Sharon Stone, sogar mit ganz ähnlicher Brille.

Was würden wir als Patricia „Ich weiß es vertretungweise“ Dreyer tun? Recherchieren? Nachfragen? Kollegen losschicken, um herauszufinden, ob die sensationelle Nachricht stimmt und sich die große Shirley MacLaine wirklich per Extreme Makeover in Sharon Stone verwandeln ließ?

Oder einfach das Foto abdrucken und behaupten: „Die Schauspielerin [Shirley MacLaine] fährt mit nigelnagelneuem Sharon-Gesicht durch L.A.“?

Hier ist, wofür sich Frau Dreyer am 17. Februar 2005 entschieden hat:

Und hier ist, was deshalb heute in „Bild“ stand:

Und wir hoffen, dass die „Bild“-Leute nicht ernsthaft selbst glauben, dass es sich hier bloß um eine „Fotoverwechslung“ handelt (und nicht um die Vernachlässigung elementarer journalistischer Sorgfaltspflichten), sondern das nur behaupten.