Experte, Qualitätsjournalismus, Pheromone

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „‘Mut bindet’“
(taz.de, Peter Unfried)
Der Begriff „Qualitätsjournalismus“ sei ein Krisensymptom, sagt Constantin Seibt im Interview mit Peter Unfried: „Etwas wirklich Einleuchtendes braucht das Präfix ‘Qualität’ nicht. Es gibt keinen Qualitätssex oder Qualitäts-Rolls-Royce. Der einzige Ort, wo man sonst von Qualität spricht, sind Billigläden.“

2. „Breaking News Is Broken“
(slate.com, Farhad Manjoo, englisch)
Farhad Manjoo empfiehlt, beim nächsten „Breaking-News“-Event eine längere Medienabstinenz einzurichten: „Breaking news is broken. That’s the clearest lesson you can draw about the media from the last week, when both old- and new-media outlets fell down on the job.“ Siehe dazu auch „Die Entstehung eines Informationsdesasters“ (tagesanzeiger.ch, Maurice Thiriet).

3. „Wie selbstkritisch sind die deutschen Journalisten?“
(de.ejo-online.eu)
Die Studie „Media Accountability and Transparency in Europe“ findet wenig Kritik unter deutschen Journalisten: „Um die Kritikkultur in Deutschland ist es schlecht bestellt, viele deutsche Journalisten tauschen sich selbst mit Chefs und Kollegen kaum über die Qualität journalistischer Beiträge aus – anders als in Finnland oder den Niederlanden, wo nicht zuletzt flachere Hierarchien mehr Austausch in den Redaktionen ermöglichen.“

4. „Deutschlands erste Pheromonen-Party floppt“
(tagesspiegel.de, Johannes Ehrmann)
Eine „Pheromon-Party“ in Berlin Friedrichshain: „Es sind wirklich viele Leute gekommen, das ist schon mal schön. Aber es sind fast ausschließlich Journalisten.“

5. „‘Experten’ in den Medien: schätzen, prognostizieren, warnen“
(security-informatics.de)
Eine Auswertung der im „Spiegel“ seit 1947 erwähnten „Experten“: „Die Journalisten von Spiegel-Print beispielsweise haben seit 1947 rund 6000 unterschiedliche Experten-Typen gekürt.“

6. „Teutonischer Selbstversuch zu unserer Befindlichkeit“
(persoenlich.com, Matthias Ackeret)
Wolfgang Koydl, Schweiz-Korrespondent der „Süddeutschen Zeitung“, erzählt, was bei der Redaktion gut ankommt: „Alles, wo Schwarzgeld, Swatch oder Schokolade draufsteht, muss ich nicht lange der Redaktion andienen. Das sind Selbstläufer, die ich aber eher ungern mache. Man braucht keinen Korrespondenten, um Vorurteile zu zementieren. Grundsätzlich gilt, dass man sich in der Redaktion stark für Wirtschaftsthemen aus der Schweiz interessiert, dann Tourismus im weitesten Sinn. Schweizer Politik taucht auf dem Radar nur auf, wenn sie irgendwas mit Christoph Blocher und der SVP zu tun hat.“

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