Hände hoch, Story her

Wegen fehlender anderweitiger Kennzeichnung müssen wir davon ausgehen, dass es sich bei diesem Text aus der heutigen „Bild“ um einen Artikel handelt:

Hände hoch, du Puppe! BANKRAUB FÜRS KINDERZIMMER Nürnberg - Cowboy und Indianer war gestern. Geht

Der „perfekte Bankraub für zu Hause“, besser hätte es die Promo-Abteilung von Playmobil wohl auch nicht ausdrücken können. Nur, dass es als Anzeige in der Bundesausgabe mehr als 40.000 Euro gekostet hätte.

Wenn Sie jetzt sagen, es könne doch durchaus einen Nachrichtenwert haben, dass es diesen „Bankraub fürs Kinderzimmer“ „ab sofort“ zu kaufen gebe, müssen wir Sie enttäuschen: Beim Internetversandhändler Amazon können Sie die „Bank mit Geldautomat“ (so der offizielle Name des Produkts) bereits seit dem 10. Februar 2012 bestellen. Und dieses einjährige Jubiläum kann ja auch kein Grund für eine Berichterstattung („ab sofort“) sein.

Es hätte da allerdings schon einen Grund für aktuelle Berichterstattung gegeben — tatsächlich gab es den auch in jenen britischen Boulevardmedien, von denen sich „Bild“ so gerne inspirieren lässt: Der „Daily Mirror“ berichtet seit Samstagabend auf seiner Internetseite, dass Aktivisten gegen Schusswaffengewalt das Spielzeugset als „abscheulich“ bezeichnet hätten. (Ob wenigstens diese Aussagen aktuell sind, geht aus dem Artikel leider nicht hervor — in Großbritannien gibt es die „Bank with Safe“ auch schon fast ein Jahr lang zu kaufen.)

Die „Daily Mail“ griff die Geschichte auf, die „Sun“, die „Huffington Post“ aus den USA und schließlich auch „Bild“. Nur, dass die Geschichte dort völlig fehlt.

Die „Bild“-“Berichterstattung“ hat derweil blick.ch inspiriert, über das „Bankraub-Set“ zu schreiben, das Playmobil „seit kurzem“ für „die Kleinsten unter den Kriminellen im Sortiment“ habe.

Man kann den Redakteuren dort nicht vorwerfen, gar keine eigenen Recherchen mehr angestellt zu haben. Nur das Ergebnis ist etwas überraschend:

Wem ein Banküberfall zu langweilig ist, kann seinen Kleinen das Set „Diebstahl im Museum“ kaufen, mit drei Museumsdieben, die mit ihrer raffinierten Ausrüstung an den Film „Mission Impossible“ erinnern.

Immerhin nennt blick.ch keine Preise.

Mit Dank an Big J, Timo W. und Jürgen.

braucht Ihre Unterstützung!
Wir investieren viel Zeit und Herzblut in dieses Blog, verdienen aber kaum Geld damit. Damit wir trotzdem unsere Miete bezahlen können, würden wir uns freuen, wenn Sie unsere Arbeit finanziell unterstützen. Wie das geht, erfahren Sie hier.