Kokopelli, Wetten, dass..?, 20min.ch

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Vier Thesen zur deutschen Film-Blogosphäre“
(realvirtuality.wordpress.com, Alexander Gajic)
Alexander Gajic vermisst „einen guten, deutschsprachigen Aggregator. Ein Must-Read-Blog, das die deutsche Film-Blogosphäre irgendwie über ihre Cluster hinweg eint und Diskussionen befeuert“.

2. „Blogs kennen keine Krise“
(faz-community.faz.net, Teresa Maria Bücker)
„Im Regime der Leistungsgesellschaft“ wirken Blogs fehl am Platz, findet Teresa Maria Bücker. „In Blogs werden Diskussionen eröffnet, Fragen formuliert und Gedanken unvollendet publiziert. Blogs haben keine Freigabeschlaufe, sie machen verwundbar, sind wunderbar.“

3. „Voll auf Quote“
(faz.net, Harald Staun)
„Am Stolz auf die Besuche der sogenannten echten Weltstars erkennt man ja am besten, wie provinziell und unbeholfen das deutsche Unterhaltungsfernsehen ist“, schreibt Harald Staun über „Wetten, dass..?“: „Die Verwechslung von Relevanz mit Quote hat sich in den öffentlich-rechtlichen Hirnen mittlerweile so festgebrannt, dass man sich eben notfalls erkauft, was nicht mehr Ergebnis der Qualität des Programms ist. Und wenn das Geld der Beitragszahler dafür nicht reicht, dann muss man sich eben ein paar Tricks einfallen lassen.“

4. „Der ‘Fall Kokopelli': Medienversagen made in Germany“
(novo-argumente.com, Georg Keckl)
Georg Keckl arbeitet „vollkommen widersprüchliche Meldungen zum Ausgang eines Prozess vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH)“ aus dem Juli 2012 auf. „Ohne das Urteil zu kennen oder sich später am Vormittag, als das Urteil im Internet stand, die Mühe zu machen, es zu lesen, spulten nun fast alle Medien ihre vorbereiteten Berichte über den Sieg von Kokopelli ab und verbreiteten den Popanz, den die Grünen und NGOs um den Fall aufgebaut hatten. Am Vormittag des 12.7. lasen vermutlich die ersten Redakteure, dass Kokopelli krachend verloren hat.“

5. „Geiseldrama und Intimrasur“
(sexsensibility.annabelle.ch, Helene Aecherli)
Helene Aecherli wundert sich über die beiden Aufmacher auf 20min.ch: „Ich traute meinen Augen nicht: Das Blutbad bei der Befreiung der Geiseln in Algerien so relevant wie Intimrasur, Terror wie Blowjob, Sicherheitsexperte Kurt R. Spillmann wie die deutsche Bachelor-Kandidatin und Erotikdarstellerin Melanie.“

6. „Ich, der Rassist“
(albannikolaiherbst.twoday.net)
Alban Nikolai Herbst äußert sich zur „Umschreibung von Zeitdokumenten“: „Immer werden sich Gruppen finden, die sich durch Wörter, Formulierungen, Wertungen zu Recht verletzt fühlen und Entfernung verlangen werden; möglicherweise wird dies, ist der Damm einmal gebrochen, auch die Gerichte beschäftigen, und es wird weitere und immer weitere Gesetze geben, die aus der gemeinten Freiheit schließlich auf Schritt und Tritt verminte Äcker machen werden; wir werden in einem Korsett aus Vorsichten leben, und die Kunst wird nicht erst, wie Adorno meinte, einer befreiten Gesellschaft absterben, sondern einer, die sich festgenagelt hat, und zwar eigenhändig. Und jedes neu geschriebene Buch, das veröffentlicht werden soll, wird von Kommissaren vorbegutachtet werden.“ Siehe dazu auch „‘Die Sprachhygieniker können uns Schreiber mal'“, ein Interview mit Feridun Zaimoglu auf erenguevercin.wordpress.com.

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