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Die anGEZettelte Wut

„Bild“-Redakteure haben es auch nicht leicht. Da wird morgens auf der Konferenz beschlossen, dass es am nächsten Tag eine große Geschichte über ein „Riesen-Chaos bei der GEZ-Abbuchung“ im Blatt geben soll, und dann müssen sie dafür auch noch Beispiele finden!

Am vergangenen Mittwochmittag schickte eine „Bild“-Redakteurin deshalb folgende Mail an die „Bild“-Mitarbeiter im ganzen Land:

Fälle gesucht – Chaos bei der GEZ-Abbuchung

Liebe Kollegen,

für die Geschichte „Riesen-Chaos bei der GEZ-Abbuchung“ suchen wir Fälle aus den Außenredaktionen.

Das Thema soll morgen groß im Bund erscheinen, daher freue ich mich über zahlreiche, zeitnahe Chaos-Fälle.

Chaos ist z.B.:

  1. Bislang wurde GEZ immer zur Mitte des Quartals, also letztmalig am 15.11.2012 (für die Monate Oktober bis Dezember) abgebucht. Jetzt aber wurde bereits am 2.1.2013 für die Monate Januar bis März 2013 abgebucht. FAKT: Die GEZ darf nicht einfach die Termine umstellen.
  2. Bislang hat jemand nur für ein Radio gezahlt, jetzt wurde automatisch der neue Beitrag von 17,98 Euro abgebucht. FAKT: Richtig wäre gewesen, vorher per Schreiben darüber zu informieren bzw. zur Zahlung des neuen Beitrags aufzufordern.
  3. Jemand wohnt in einer WG. Beiden Bewohnern wurde der Beitrag abgebucht. FAKT: Richtig wäre nur einer zahlt je Wohnung.

Rückmeldung bitte direkt an mich.

Tausend Dank & viele Grüße

Christin Martens
BILD-Hauptstadtbüro
Politik und Wirtschaft

Die Resonanz war wohl eher überschaubar. Am Ende musste die große Skandalgeschichte mit vier eher zweifelhaften Fällen auskommen, von denen zwei „Bild“-Mitarbeiter beisteuerten (BILDblog berichtete).

(Fürs Protokoll: „FAKT“ 2 aus der Mail stimmt nicht. Verbraucherschützer wiesen gestern darauf hin, dass eine Einzugsermächtigung für die GEZ auch für den neuen Beitragsservice gilt, und der gegebenenfalls auch höhere Beiträge vom Konto abbuchen darf.)

Heute scheint die „Bild“-Zeitung auf der Titelseite zu ernten, was sie gesät hatte:

Wutwelle gegen die GEZ

Die Berichterstattung schließt mit einem „letzten Vergleich“:

14,66 Euro Gebühren zahlen die Briten monatlich.

10,41 Euro die Franzosen.

9,08 Euro die Italiener.

Mit 17,98 Euro Rundfunkbeitrag sind die Deutschen Weltmeister.

Ähnliches hatte „Bild“ schon im September 2011 geschrieben (BILDblog berichtete). Damals wie heute unterschlägt „Bild“, dass die Österreicher mit durchschnittlich 23,20 Euro, die Dänen mit 26,96 Euro (201,17 Dänische Kronen) und die Schweizer mit 31,69 Euro (38,53 Schweizer Franken) vor den Deutschen liegen. Die Norweger zahlen 30,39 Euro (223,38 Norwegische Kronen) und die Schweden 20,06 Euro (173 Schwedische Kronen).

Deutschland käme also selbst bei einer Europameisterschaft der Gebührenzahler nicht aufs Treppchen.

Mit Dank auch an die vielen Hinweisgeber.

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