Gier-Spezial

SZ-Magazin

„Ein Heft über die wahren Gründe der Krise“ hat die Redaktion des „Süddeutsche Zeitung Magazin“ gemacht, „Umdenken!“ auf den Titel geschrieben und „Wirtschaft Spezial“. Tolle Texte stehen darin, mit tollen Sätzen, und vier tolle Uhrenanzeigen. Dazu kommen wir noch.

Erst einmal die Texte.

Ein Wirtschaftssystem, „das so viel Wohlstand schafft, aber nur so wenigen zugänglich macht – wird auf Dauer kaum tragen“, darf der Soziologe Richard Sennett in einem Interview sagen. Und vorschlagen, ein neues zu entwickeln, „das auf Kooperation basiert, statt die Menschen nur auszusaugen“.

Christian Nürnberger beschreibt „die Krise als Moment der Selbsterkenntnis“ und einen prototypischen Michael M., der Träger eines „Virus“ sei, Opfer einer „Geisteskrankheit“: „Regelmäßig fährt er mit seinem Geländewagen zu Aldi und Lidl, und noch nie hat er auch nur einen Gedanken an die Frage verschwendet, wie es eigentlich den Beschäftigten von Aldi und Lidl geht, was sie verdienen, wie sie leben, wie sie ihre Kinder erziehen.“

„Die allgemeine Dummheit, die dieses Land erfasst hat in den letzten Jahren, die hat alles verdeckt. Diese Krise verdanken wir der Ideologie des freien Marktes“, zitiert Georg Diez in seinem Stück über die Wall Street einen Ex-Anwalt, der nun Buchautor ist. Und nennt den Zustand selbst „das Ende der Vernunft“, an dem alle Schuld sind: „Von ganz unten bis ganz oben, eine Kette der Gier.“

Wahre Sätze sind das. Hier noch einer aus dem Interview: „Wer jetzt so weitermachen will wie bisher, hat nicht verstanden, dass die Nachfrage weltweit sinkt.“

Tolles Heft, dieses „Wirtschaft Spezial“. An seinem Ende findet sich die Rubrik „Stil leben“. Dort steht auf fünf Seiten wenig Text, dafür zeigt die Redaktion — passend zu den tollen Uhrenanzeigen — viele Bilder von sehr teuren Uhren. Darüber steht: „Es gibt Uhren, die sind so schön, dass sie alle anderen in den Schatten stellen. Vorausgesetzt, man trägt sie mit Haltung.“

Zum Beispiel die „Ergon von Bulgari aus 18-Karat-Gelbgold, mit braunem Alligatorband“. Die kostet schlappe 11.000 Euro; die Rolex Oyster Perpetual GMT-Master II gibt’s für 19.500 Euro (aber das erwähnt das „SZ-Magazin“ nicht). Nichts für einfache Leute, nein, nein, sondern: „Für harte Hunde“.

So viel zur Moral im Angesicht der Rendite.

Der Kernsatz übrigens steht auch bei Diez. Es ist sein letzter, er soll all den Zynismus beschreiben, der sicher bald zu einer neuen Krise führen wird:

I gotta get back to work.

Passt auch gut zum „SZ-Magazin“.