Wochenrückblick Nr. 31

Vor den olympischen Spielen wird klar: Freie Berichterstattung wird es nicht geben. Teilnehmer bekommen strenge Regeln auferlegt, auch für Journalisten wird das Internet zensiert.

Vor den olympischen Spielen wird klar: Freie Berichterstattung wird es nicht geben. Teilnehmer bekommen strenge Regeln auferlegt, auch für Journalisten wird das Internet zensiert.

Presse unerwünscht: Ein TV-Team aus Hongkong wird am Freitag darin gehindert, für Olympia-Tickets anstehende Chinesen zu filmen (Bild Keystone/Robert F. Bukaty)

Bild der Woche: Reporter aus Hongkong werden von chinesischen Offiziellen daran gehindert, für Olympia-Tickets anstehende Chinesen zu filmen. IOC-Präsident Rogge steht zunehmend in der Kritik, weil er die Zensur der Presse hinnehme. Entgegen der Zusicherungen gibt es für Journalisten keinen freien Zugang zum Internet.

Die taz schrieb „der Blog“ statt „das Blog“, was Blogger offenbar derart verärgerte, dass gleich mehrere von ihnen die Meldung, den Sportlern sei „jegliche journalistische Tätigkeit während der Spiele verboten“ falsch interpretierten: „Alle Sportler dort dürfen nicht bloggen“ schrieb wortsetzung.de, „Sportler schreiben Blogs – nur nicht während der Olympiade“ holyfruitsalad.blogspot.com und „Kein Bloggen von den Olympischen Spielen“ ra-blog.de.

Bei franztoo.de hingegen war zu lesen: „Bloggen bei den olympischen Spielen ist nicht verboten„. Allerdings schreibt auch die taz im Übertitel „Kein öffentliches Tagebuch für Olympioniken“, im Titel „Der Blog ruht“ und in der Bildunterschrift „Bloggen ist jedoch nicht drin“. Immerhin der Lead ist korrekt. Die ?IOC Blogging Guidelines? (pdf) klären auf: Nur akkreditierte Journalisten dürfen Journalismus betreiben, Blogger hingegen dürfen nur bloggen. Also brav Tagebuch schreiben, keine „Stories“ und keine Interviews machen. Erlaubt ist gerade mal persönlich gehaltener Text, keine Bilder, keine Sounds, keine Videos.

Wolfgang Blau, Chefredakteur von Zeit Online, ärgerte sich mit vielen anderen Bloggern über den Spiegel-Artikel: „Zwar ist Deutschlands Blogger-Szene im Vergleich zu den USA noch sehr klein – aber es gibt sie, und darunter sind viele Perlen.“

Die Vielfalt in der schweizer Presselandschaft lebte – jedenfalls, was die Schreibweise des libyschen Revolutionsführers anging: „Der ‚Blick‘ schreibt über Gadaffi, die ‚baz‘ schreibt über Gaddafi, der ‚Tagi‘ über Qadhafi, die ‚NZZ‘ über Ghadhafi, ‚Le Matin‘ über Kadhafi…“

Ein Wirtschaftsredaktor des Tages-Anzeigers, Stefan Hostettler, fand einen neuen Job „als Fachsekretär und wissenschaftlicher Mitarbeiter„. Und zwar in der SP-Fraktion im Bundeshaus.

Probleme mit der deutschen Sprache traut man allen zu. Am wenigsten allerdings dem Zwiebelfisch Bastian Sick. Doch genau das behauptet Robert Sedlaczek und glaubt, den Grammatikmeister schwerwiegener Fehler wegen zu überführen.

Der Online-Auftritt der Titanic, titanic-magazin.de, gab zu, diesen nur zu betrieben, um neue Leser für die Printausgabe zu finden. Die BBC wurde mit 400,000 Pfund bestraft wegen Irreführung ihres Publikums. Es gab gewichtige Gründe, nicht ins Bett zu gehen.

Der Link, der bei „6 vor 9“ am Meisten angeklickt wurde, waren „Die toten Roma-Mädchen von Neapel„, die Aufdeckung einer bemerkenswert einhelligen journalistischen Rudelbildung. Meistgelesen wurde die Frage von Klaus Jarchow, ob zwischen Bloggern und Journalisten eine neue Arbeitsteilung entsteht.