Lost in Space

Nein, wir sind nicht heimlich zum Fachmagazin für Weltraumthemen geworden, aber offenbar sind Geschichten im Weltall für Journalisten noch komplizierter als auf der Erde.

Die neueste Geschichte hat mit dem Mars zu tun, mit Popmusik und begann bei „Spiegel Online“ so:

Der US-Rapper Willl.i.am hat seine neue Single vorgestellt – vom Mars aus. Der Nasa-Roboter „Curiosity“ sendete den Song „Reach for the Stars“ am Dienstag vom Roten Planeten auf die Erde. Es war die erste Musikübertragung von einem anderen Planeten. Das Lied war zu dem Mars-Roboter hochgeladen und von dort zurückgespielt worden – eine Reise von mehr als 1000 Milliarden Kilometern.

„1000 Milliarden Kilometer“ oder, wie man eher sagen würde „eine Billion Kilometer“, sind verdammt viel. Der Zwergplanet Pluto, vor seiner Herabstufung mal der abgelegenste Planet unseres Sonnensystems, ist auf dem sonnenfernsten Punkt seiner Umlaufbahn ca. 7,4 Milliarden Kilometer von der Sonne entfernt.

„1000 Milliarden Kilometer“ sind auch falsch. Die NASA spricht von „mehr als 700 Millionen Meilen (1,127 Milliarden Meilen Kilometern*) von der Erde bis zum Mars zurück“, die das Lied zurückgelegt habe. Die Nachrichtenagentur dapd, an der sich der „Spiegel Online“-Artikel orientiert, schreibt:

Das Lied war zu dem Mars-Roboter hochgeladen und von dort zurückgespielt worden – eine Reise von 1,126 Milliarden Kilometern.

Fragmente, die zwischenzeitlich bei Google zu finden waren, legen nahe, dass ein Kommentator „Spiegel Online“ auf diesen Fehler hingewiesen hat. Dieser Kommentar ist nirgendwo mehr zu finden, aber der Fehler wurde inzwischen korrigiert.

Im Artikel heißt es jetzt ganz unverfänglich:

Das Lied war zu dem Mars-Roboter hochgeladen und von dort zurückgespielt worden.

Hinweise auf die Korrektur oder zum Verbleib des Phantomkommentars gibt „Spiegel Online“ keine.

Mit Dank an Bene.

*) Hinweis/Korrektur, 18.20 Uhr: Uargh, da hat’s uns selbst erwischt: 700 Millionen Meilen entsprechen natürlich 1,127 Milliarden Kilometern.
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