Mit Ach und Krach

So sah heute Vormittag die Startseite von mopo.de aus:

Pfusch am Bau? Hier kracht eine Betonplatte auf einen Bus

Nein, wir wissen nicht, warum die Onlineausgabe der „Hamburger Morgenpost“ einen dreieinhalb Wochen alten Artikel auf der Startseite verlinkt. Vielleicht ist das Sommerloch endlich da.

Aber das ist gar nicht das Hauptproblem: Aufmerksame BILDblog-Leser wissen natürlich, dass das Video, in dem eine zweieinhalb Tonnen schwere Betonplatte in einen Linienbus kracht, ein Fake war, Teil einer Kampagne gegen Unsicherheit auf Baustellen in den Niederlanden.

Aufmerksame Leser von mopo.de erfahren das nicht. Der vollständige Artikeltext geht so:

Eigentlich geht es in diesem Video um den Skateboarder im Vordergrund. Jaasir Linger probt ein paar Tricks an einer Parkbank in Amsterdam, ein Kumpel hält mit der Kamera drauf. Nichts Spektakuläres.

Doch dann rummst es gewaltig im Hintergrund. Von einem Baukran löst sich eine 2,5 Tonnen schwere Betonplatte, kracht auf einen Linienbus. Zum Glück wird niemand verletzt. Weshalb, das erklärt das Video.

An diesen Sätzen ist streng genommen nichts falsch. Vor allem der letzte ist erstaunlich zutreffend, denn wer sich tatsächlich die Mühe macht, das Video anzusehen, erfährt nach 25 Sekunden (plus 20 Sekunden Werbung davor), dass das Video „ein Fake“ ist. Während Szenen aus dem Making Of zu sehen sind, erklärt die Off-Sprecherin ausführlich, wer das Video in Auftrag gegeben hat, wie oft es angesehen wurde, usw. usf.

mopo.de führt damit nicht nur die eigenen Leser ein ganzes Stück weit in die Irre, die nur den „Artikel“ gelesen oder den Startseitenteaser gesehen haben. Die Redaktion schneidet sich auch ins eigene Fleisch: Unsere Hinweisgeber glaubten jedenfalls alle, dass auch mopo.de so dämlich war, auf den Fake reinzufallen.

Mit Dank an Alina, Martin, Daniel V. und M.S.

Nachtrag, 18.40 Uhr: Schon vor einigen Stunden haben die Redakteure von mopo.de ihren Artikel (und damit auch den baugleichen bei express.de) um diesen Hinweis ergänzt:

Update: Für User, die das Video nicht sehen können, gibt es nun die Erklärung. Das Video ist ein Fake. Die scheinbar zufällige Aufnahme Teil einer viralen Marketing-Kampagne. Die niederländische Gewerkschaft FNV Bouw macht mit dem viralen Clip für mehr Sicherheit am Bau Werbung.