Das Ende der Welt, wie wir sie kennen

Falls Sie in den letzten Wochen zufällig mal kurz in der Nähe eines Frisiersalons, eines internetfähigen Elektronikgeräts oder eines Teenagers gestanden haben, wissen Sie es natürlich: Robert Pattinson und Kristen Stewart, das Traumpaar der “Twilight”-Saga, haben sich getrennt sollen sich getrennt haben (man weiß es nicht so genau, zumal die beiden offiziell nie zusammen waren).

Es gibt angenehmere Rahmenbedingungen, um einen neuen Film zu promoten, aber gestern ist Pattinson zum ersten Mal seitdem wieder im amerikanischen Fernsehen aufgetreten. In der „Daily Show“ empfing ihn Moderator Jon Stewart (nicht verwandt oder verschwägert mit Kristen) mit einem Becher Eiscreme und wollte mit ihm „wie Mädchen“ über die Geschichte plaudern. Beim Versuch, das Offensichtliche nicht zu thematisieren (oder eben doch), schwangen sich Stewart und Pattinson in immer neue Ironiesphären auf, bis nicht mehr ganz klar war, worum es eigentlich ging und was die beiden dazu zu sagen hatten.

Die Website des amerikanischen Klatschmagazins „People“ versuchte sich dennoch an einer Exegese:

A tense-appearing Pattinson begged off any talk of his recent problems. „My biggest problem is that I don’t have a publicist,“ he said. „I’m going to have to hire a publicist.“

But when Stewart noted that for young people going through a breakup sometimes feels like the end of the world, Pattinson answered, „It is.“

The audience then went „Awwwwwww.“

Stewart habe also gesagt, für junge Menschen fühle sich eine Trennung manchmal wie das Ende der Welt an, Pattinson habe dies bestätigt und das Publikum habe mitfühlende Laute geäußert.

Dann schauen wir uns diese herzzerreißende Szene (etwa ab 5:15 Minuten) doch mal an:

Stewart sagt:

Wenn man jung ist und sich trennt, ist es gewaltig und es fühlt sich an, als ob die Welt enden würde. Das ist das erste Mal, dass ich die Welt habe so reagieren sehen.

(Übersetzung von uns.)

Pattinson sagt: nichts.

Das Publikum lacht.

Hmmmm …

Wenn es eine zweite Fassung von Stewarts „end of the world“-Satz gegeben haben sollte, haben die TV-Zuschauer davon nichts mitbekommen.

Warum erzählen wir Ihnen das in einem Watchblog für deutsche Medien?

Weil deutsche Medien lieber aus amerikanischen Medien abschreiben, als sich den Ausschnitt der Sendung im Internet anzusehen.

Bunte.de schrieb also:

Er lud Pattinson ein, mit ihm einen Becher Eiscreme gegen seinen Liebeskummer zu löffeln. Dann wurde er ernster und sagt zu dem „Twilight“-Star: „Wenn du jung bist und dich trennst, fühlt sich das an, als sei es das Ende der Welt.“ Pattinson sagte laut „People“-Magazin daraufhin nur leise: „So ist es.“

Der Satz war aber der einzige, mit dem er Einblick in seine verwundete Seele gab.

Frank Siering, der sonst unter anderem für die „Bravo“ über die Entjungferung von Teenie-Stars spekuliert, berichtete aus Los Angeles für stern.de über die in New York City aufgezeichnete Sendung:

„Für viele junge Menschen, die eine Trennung durchleiden“, so der Talkshow-Gastgeber, „fühlt sich das oftmals so an wie das Ende der Welt“. Pattinson hörte ernsthaft zu und erwiderte kurz und knapp: „Ja, genauso ist es.“ Ehrlich, auf den Punkt, ohne Zusatz.

Das Publikum seufzte auf und applaudierte dem partnerlosen Vampir euphorisch und mitfühlend zu. Der bedankte sich mit einem sanften Kopfnicken.

„Spiegel Online“ vermeldete:

Stewart zeigte dann scheinbar Mitgefühl und bemerkte, wenn ihre Beziehung zerbreche, fühle es sich für junge Leute manchmal wie das Ende der Welt an. Pattinson antwortete: „Das IST es!“, und das Publikum regierte mit einem langgezogenen „Oooooh!“.

(Das wäre vielleicht ein geeigneter Zeitpunkt, noch mal kurz darüber nachzudenken, worum es hier eigentlich gerade geht. Gemacht? Gut. Weiter!)

Bei Bild.de war dann endgültig egal, wer was gesagt, nicht gesagt oder wie reagiert hatte:

Pattinson zappelte auf seinem Stuhl hin und her, seine Bewegungen wirkten fahrig. Fragen auf den Seitensprung wich er aus. „Ich bin fest entschlossen, nichts darüber zu sagen“, scherzte er auf die „Wie geht’s?“-Frage von Moderator Stewart, der ihn mit Eiscreme tröstete.

Irgendwann gab Pattinson zu, dass sich die Trennung wie das „Ende der Welt“ anfühle.

… womit die Welt immerhin ein bisschen länger durchgehalten hätte, als der Journalismus.

Mit Dank an Thomas T., Johannes und Fabian P.

Nachtrag, 16. August: „Spiegel Online“ hat den Artikel überarbeitet und mit folgender Anmerkung versehen:

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels wurde ein Dialog zwischen Jon Stewart und Robert Pattinson in der „Daily Show“ falsch wiedergegeben. Die Ausführungen beruhten auf der Darstellung der Online-Ausgabe des „People“-Magazins. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Die übrigen hier zitierten Medien bleiben bei ihrer Darstellung.