Leistungsschutzrecht, SEO, DJV

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Digital kastriert“
(lawblog.de, Udo Vetter)
Der (der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegende!) Referentenentwurf zum Leistungsschutzrecht für Presseverlage (PDF-Datei) bestätigt für Udo Vetter die schlimmsten Befürchtungen: „Das Papier ist ein Konjunkturprogramm für Rechtsanwälte. Gleichzeitig ist es ein Kniefall vor der Verlegerlobby. (…) Fast überflüssig zu erwähnen, dass das Leistungsschutzrecht die neue Meinungsfreiheit bedroht.“ Gegenteilig sieht das natürlich der prominenteste Verfechter dieses Verlegerrechts, Christoph Keese von Axel Springer, im Beitrag „Vier Gründe, warum Blogger das Leistungsschutzrecht nicht fürchten sollten“. Siehe dazu auch „Von Pressetexten sollten künftig besser alle die Finger lassen“ (zeit.de, Kai Biermann).

2. „Ich breche eine Lanze für dieses Leistungsschutzrecht“
(ralfschwartz.typepad.com)
„Der deutschen Blogosphäre kann nichts Besseres passieren als das neue Leistungsschutzrecht. Hut ab vor den Verlagen und der Politik, die uns endlich zwingen, wenn wir es schon nicht freiwillig tun, innovativ, relevant, distinktiv und einzigartig zu werden.“

3. „Weit weit oben“
(journalist.de, K. Antonia Schäfer)
Wie viele Presseverlage mit hohem Aufwand und Tricks wie Republishing Suchmaschinenoptimierung betreiben, um noch mehr Besucher von Websites wie Google News erhalten. „Werden Journalisten beim Thema SEO an sich schon wortkarg, schließen sie, wenn die Rede aufs Republishing kommt, komplett die Schotten. Denn wer vorgibt, einen neuen Artikel vorweisen und ins Netz stellen zu können, tatsächlich aber nur altes Zeug aufwärmt, kann sich kritischen Fragen nach der Qualität nicht entziehen.“

4. „Oli Kahn, kein Twitter-Titan“
(stern.de, Christoph Fröhlich)
Im ZDF versucht man, zu twittern: „Jeannine Michaelsen erklärte das Prinzip Twitter so: ‚Wir folgen Harald Schmidt. Und deswegen kann Harald Schmidt jetzt auch lesen, was wir schreiben.‘ Das ist doppelt falsch: Erstens können Leute, denen man folgt, die eigenen Postings nicht lesen. Und was noch viel peinlicher ist: Hinter dem angeblichen Harald Schmidt steckt nicht der ehemalige Sat1-Comedian, sondern der Internet-Showmaster Rob Vegas.“ Siehe dazu auch „Der Twitter-Vorfall im ZDF deckt viel mehr auf als eine Accounteinrichtung“ (kaithrun.de) und „Oli Kahns erstes Mal“ (blog.zeit.de/sport-blog).

5. „Bite the hand that feeds you“
(juliane-wiedemeier.de)
Der Deutsche Journalistenverband DJV lädt ein nach Brüssel: „Zwei Nächte im Hotel, inklusive Frühstück, Transfers und ein lekker Mittagessen werden also bezahlt, und zwar, man ahnt es schon, nicht von einem der Verbände, die brauchen ihr Geld schließlich für wichtigere Dinge, sondern, das wird netter Weise immerhin dazugesagt: Von der EU-Kommission. Was sicherlich hervorragend mit dem Ziel der Reise einhergeht, ‚Sprechern oder Vertretern der Kommissare auf den Zahn (zu) fühlen‘.“

6. „Uefa-Fehler führt Millionen in die Irre“
(stern.de, Katharina Miklis und Felix Haas)
Fußball: Eine vor dem EM-Spiel Niederlande gegen Deutschland aufgezeichnete und ins live übertragene Spiel hineingeschnittene Szene „beeinflusst die Wahrnehmung und verfälscht den Eindruck“.