Bild.de im Rinderwahn

Wortspiele haben bei Bild.de eine ganz eigene Tradition.

Umso mehr muss sich die Redaktion gefreut haben, als heute Morgen die Meldung über die Ticker lief, dass eine Kuhherde in der Nähe von Chemnitz ausgebüxt war und einen Polizeiwagen überrannt hatte.

Auf diese Gelegenheit hatten die Autoren von Bild.de bestimmt schon sehr lange gewartet. Denn endlich war die Zeit für diese Überschrift gekommen:

Bullen trampeln Polizeiauto kaputt

Im Text heißt es:

30 Bullen und Kühe durchbrachen Freitagnachmittag ihren Weidezaun. (…) Die örtliche Polizei schickte mehrere Wagen, um die Bullen und Kühe von den Schienen fernzuhalten, forderte auch Unterstützung der Autobahnpolizei an. (…) Als die acht Bullen und Kühe vor dem Streifenwagen standen, gerieten sie in Panik…

Blöd ist nur: In der Herde waren gar keine Bullen. Sowohl in der dpa-Meldung als auch in der Pressemitteilung der Polizei ist lediglich von „Kühen“ die Rede.

Auf Nachfrage hat uns die Pressestelle der zuständigen Polizeidirektion bestätigt, dass die Herde ausschließlich aus „einjährigen Kühen“* bestand.

Obwohl sie sich ihre Wortspiele bei „Bild“ sonst nicht von der Realität kaputtmachen lassen, hat Bild.de heute im Laufe des Nachmittags die Überschrift des Artikels geändert:

Kühe trampeln Polizeiauto kaputt

Im Text und im Seitentitel sind die hinzugedichteten Bullen aber nach wie vor unterwegs.

Mit Dank an Sascha M.

* Nachtrag/Hinweis, 12. Juni: Mehrere Leser haben uns darauf hingewiesen, dass der Begriff „Kuh“ streng genommen auch falsch ist. Denn ein weibliches Rind wird erst dann als Kuh bezeichnet, wenn es ein Kalb zur Welt gebracht hat. Hierzulande kalben weibliche Rinder aber in der Regel erst mit zwei Jahren.