Nachrichtenvergrößerung

Bei Bild.de (der „multimedialen Erweiterung von BILD“) hat man anscheinend in der TV-Beilage des Berliner Stadtmagazins „tip“ geblättert und dort, in einem Porträt der Schauspielerin Nadeshda Brennicke, folgende Text-Passage entdeckt:

„Wo waren wir? Schönheitsoperationen? ‚Darüber rede ich ganz offen, damit habe ich kein Problem.‘ Sie [Nadeshda Brennicke] lacht auf. ‚Als ich mir drei Jahre nach der Geburt meines Sohnes den Busen habe operieren lassen und dann aus der Narkose aufwachte, sah ich als erstes im Fernsehen Bilder vom gesunkenen Atom-U-Boot Kursk … und da habe ich so geheult. Da stirbt die ganze Mannschaft, und ich lieg hier und hab mir neue Titten machen lassen!‘ Sie lacht laut auf.“

Und was macht Bild.de daraus? Na, dies:
Nadeshda Brennicke - Erster TV-Star bereut Busen-OP

Das ist, so formuliert, natürlich Unsinn. Noch sinnentstellender ist allerdings das Brennicke-Foto (siehe Ausriss), mit dem Bild.de die als „Top-Thema“ angekündigte, mickrige Meldung illustriert. Das nämlich stammt ausgerechnet aus einer Folge der TV-Serie „Polizeiruf 110“ vom Mai 2002 namens „Silikon Walli“, die (mit Brennicke in der Titelrolle) im Rotlicht- und Brust-OP-Milieu spielte. In einen Brennicke-Porträt des Mediendienstes Teleschau (siehe z.B. hier) hieß es damals dazu:

„Drei Stunden brauchte ein Special-Effect-Maskenbildner Drehtag für Drehtag, um aus der zierlichen und privat meist ungeschminkten Kindfrau eine mehr als vollbusige Silikon-Blondine mit scheinbar ebenso unnatürlich aufgeblasenen, roten Lippen zu formen. ‚Es war schon sehr eigenartig, mit so viel Oberweite herumzulaufen‘, erinnert sich die Schauspielerin.“

Und gegenüber dem „Kölner Express“ (Überschrift: „Wie kommt Schauspielerin Nadeshda Brennicke plötzlich zu dieser Oberweite?“) betonte „Polizeiruf“-Autor Wolfgang Limmer sogar, dass die Darstellerin der Walli-Rolle nicht wegen ihrer Busengröße gecastet worden sei. Im Gegenteil:

„Das war eine Meisterleistung der Maske. Ihr wurde eine Masse auf den Körper gepappt, die bei Körperwärme klebt. Die Übergänge von Haut und Klebemasse wurden weggeschminkt.“

Noch Fragen? Ach ja, dass Nadeshda Brennicke – Jahre vor der „Walli“-Rolle – ihre Brüste („auf das Kleinste, das es gibt“) vergrößern ließ, las sich übrigens schon in dem Teleschau-Porträt ähnlich reuelos wie jetzt im „tip“:

„Nach der Geburt ihres Sohnes war ihr Busen auf ein Minimum geschrumpft, und danach habe sie sich überhaupt nicht mehr als Frau gefühlt. ‚Ich finde eine Schönheitsoperation absolut legitim, wenn man dazu steht. Das Wichtigste ist doch immer die Ehrlichkeit.‚“

Mit Dank an Jörg F. für den entscheidenden Hinweis.

Nachtrag, 19.24 Uhr:
Gut möglich auch, dass die Leute von Bild.de nicht einmal im „tip“-TV-Magazin geblättert, sondern den Unsinn bloß ungeprüft bei der Konkurrenz abgeschrieben haben…

Nachtrag, 19.12.04:
Na, sowas! Schon wieder hat Bild.de aus der ursprünglichen Überschrift („Erster Fernsehstar bereut Busen-OP“) nachträglich eine ein wenig weniger sinnentstellende („Fernsehstar heulte nach Busen-OP“) gemacht. Warum nicht gleich so? Oder wie wär’s mit „Schauspielerin erinnert sich an Tränen nach Busen-OP vor einigen Jahren“? (Ist dann zwar keine nennenswerte Schlagzeile mehr, dafür aber sachgemäß.)