medienlese – der Wochenrückblick

Verzögerter Jubel, falsche Flagge, Spiegel mit Korrekturen.

Verzögerter Jubel, falsche Flagge, Spiegel mit Korrekturen.

Die leicht unterschiedlichen Übertragungszeiten der Euro 2008-Spiele brachten einiges durcheinander: „Scheiss Zattoo: Die Nachbarn kreischen bevor ich das Tor sehe“, twitterte beispielsweise Raul. Dr. Gonzo hingegen fand heraus, dass Türken in der Schweiz statt SF das leicht verzögerte Signal von ARD oder ZDF verfolgen. Er spielte mit dem Gedanken, unter Ausnützung seines Wissensvorsprungs „beim nächsten verwandelten Penalty der Türken aus dem Fenster zu rufen und die nachbarschaftlichen Fans vorzeitig aus der schrecklichen Anspannung zu erlösen“.

Medienwissenschaftler Dr. Stephan Russ-Mohl beobachtete schon lange „eine extreme Einseitigkeit in der Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender in eigener Sache, besonders in Nachrichtensendungen„. Er wunderte sich, dass man das so lange habe durchgesehen lassen, denn: „Sobald es um die Durchsetzung der eigenen Interessen geht, hat die Art der Berichterstattung nichts mehr mit journalistischen Kriterien, insbesondere mit dem Bemühen um Ausgewogenheit, zu tun.“

Die Tagesthemen der ARD zeigten eine falsche Deutschlandflagge und versuchten danach, diesen Fehler aus ihren Archiven zu tilgen. Das Video der Sequenz ist auf YouTube zu finden.

Mister Schweiz ärgerte sich über die Presse und die Titanic fand es gar nicht lustig, in den Online-Auftritten von Qualitätsmedien neue Konkurrenz zu finden.

Österreich atmete auf. Der Trainer der italienischen Fussball-Nationalmannschaft, Robert Donadoni, liest wieder Zeitungen.

Jürg Vollmer vom Blog krusenstern.ch gewann den Schweizerisch-Russischen Journalistenpreis 2008, das französische Kabinett plante einen Gesetzesentworf, der vorsieht, Bürgern, die unlizenzierte Kopien digitaler Medienprodukte aus dem Internet herunterladen, künftig den Zugang zum Internet zu sperren.

Ein deutscher Sportreporter versuchte ein Flugzeug mit einer Bombendrohung aufzuhalten und der Spiegel plant nun offenbar doch, eine Schweiz-Ausgabe zu produzieren.

Neu beim Spiegel auch: „Korrekturen“. In der aktuellen Ausgabe druckt das Nachrichtenmagazin auf Seite 12 zwei kleine Richtigstellungen. In Heft 25 wurde mit unterschiedlich erhobenen Arbeitslosenzahlen gearbeitet, in Heft 24 war die zusätzliche CO2-Belastung durch Fähnchen an Autodächern zu gering angegeben. Endlich eine Korrekturspalte beim Spiegel!

Außerdem rechnet Christian Krug, Ex-Chefredakteur der Max, ab Seite 94 mit dem Modejournalismus ab: „Im Modejournalismus geht es nicht darum, ob ein Medium von den Anzeigen abhängig ist. Diese Abhängigkeit ist Geschäftsgrundlage.“ Sowieso klar – aber immer wieder gut, wenn jemand aus der Szene auspackt und sich als Mitläufer outet.

Mehr Musik bei 78s: Ohne große Ankündigung präsentiert die Schweizer Musikseite 78s.ch seit Anfang des Monats einen virtuellen CD-Player, mit dem komplette Alben Schweizer Künstler in guter Qualität kostenlos angehört werden können. Für den Anfang gibt es neun Alben zu hören, darunter Nicole Atkins, Junes, Los Dos und Labrador City.

Der beliebteste Beitrag letzte Woche waren die Voraussagen zur Zukunft der Printmedien von Tyler Brûlé, bei „6 vor 9“ wurde mit grossem Abstand die Cicero-Story zu Stefan Aust am meisten angeklickt.