Neulich an der Hakenkreuzung

Werfen wir einen Blick in die Seele des deutschen Journalisten:

Und, nein, es ist ganz anders als Sie denken! Das Hakenkreuz da ist Teil eines dpa-Fotos, aufgenommen vor dem griechischen Parlament in Athen. Der „Kölner Stadtanzeiger“ hatte es in seinem Online-Auftritt zu Bebilderung einer Nachricht verwendet, wonach ein 78-jähriger Holländer offenbar in Griechenland von zwei Griechen aus mutmaßlich deutschenfeindlichen Motiven brutal verprügelt wurde. Komplett sahen Foto und Bildunterzeile (BU) auf ksta.de so aus:

Bildunterzeile: Deutschenfeindliche Parolen zeigen diese Demonstranten in Athen.

Was dpa am 1.5.2012
zu dem Foto schrieb:

„Protesters hold placards reading ‚No Nazis in the Parliament – Golden Dawn = Swastika‘, outside the Greek Parliament during a rally marking May Day in central Athens, Greece, 01 May 2012. A rally marking May Day was called by the Greek unions and parties of the Left to protest against the ongoing austerity measures, ahead of the national elections scheduled 06 May 2012.“

„Deutschenfeindliche Parolen“? Nun ja: Die griechische Parole auf dem Foto bedeutet übersetzt: „Keine Nazis ins Parlament – Goldene Morgenröte = Hakenkreuz“. Und Demonstranten protestierten damit am 1. Mai gegen den Einzug der rechtsextremen griechischen Morgenröte-Partei ins griechische Parlament (siehe Kasten).

Und selbst wenn ksta.de den peinlichen Fehler inzwischen offenbar bemerkt und das Foto gegen ein Bild der Akropolis (BU jetzt: „Die Akropolis in Athen“) ausgewechselt hat: Dass einem Journalisten hierzulande zu einem offensichtlich in kritischer Absicht öffentlich gezeigten Hakenkreuz als allererstes Deutschenfeindlichkeit einfällt, lässt irgendwie ganz schön tief blicken (s.o.).

Mit Dank an C.K.!