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Zu viele Nullen

Für den Sportinformationsdienst sid ist es ein „‚Rentenvertrag‘ der besonderen Art“, für 20min.ch ein „Vertrag bis übers Lebensende hinaus“ und für Bild.de gleich „der verrückteste Vertrag der Fußball-Geschichte“.

Der isländische Fußball-Nationalspieler Gretar Steinsson hat einen „Rentenvertrag“ der besonderen Art abgeschlossen. Weil sich im neuen Kontrakt mit dem englischen Erstligisten Bolton Wanderers eine Null zuviel eingeschlichen hat, bleibt der 30-Jährige bis zum Jahr 20.014 bei seinem Klub. Noch 18.002 Jahre.

Kurios, fürwahr. So kurios, dass man annehmen sollte, die britischen Medien machten groß mit dieser Geschichte auf. Doch es findet sich eigentlich nur eine einzige Quelle, aus der sid und die anderen Medien auch sämtliche Zitate für ihre Artikel zu haben scheinen: das Blog „Back of the Net“ der britischen Fußballzeitschrift „FourFourTwo“.

„Back of the Net“ ist laut Selbstbeschreibung „ein überraschend lustiges Fußballblog“, was ungefähr so viel bedeuten soll wie: ein Satireblog, in dem übertriebene und erfundene Geschichten drinstehen. Am Ende mancher Artikel schreibt die Redaktion sogar dazu, dass es sich nicht um ernsthafte Vorwürfe handle — aber leider nicht bei allen.

Gut, man hätte anhand der Zitate erahnen können, dass an dieser Geschichte was faul ist. So soll ein Verantwortlicher des Vereins gesagt haben:

„Wer hätte beispielsweise vor 18.000 Jahren gedacht, dass die Landbrücke zwischen Asien und Alaska heute nicht mehr existieren würde oder dass Menschen erfolgreich den Wolf domestizieren würden? Ich bin zuversichtlich, dass der Club über die nächsten 180 Jahrhunderte großes Kapital aus Gretars Erfahrung schlagen wird, besonders für die jüngeren Spieler.“

(Übersetzung von uns.)

Illustriert ist der Artikel übrigens mit diesem „Foto“ vom Auswärtstrikot der Bolton Wanderers aus der Saison 20013/14:

Bolton

Und so läuft der Vertrag von Gretar Steinsson jetzt eben bis zum Jahr 20.014. Steinsson sollte damit in Rente gehen können, bevor die deutschsprachigen Medien den Witz verstanden haben.

Mit Dank an Herr Jemine.