Langeweile, Leserreporter, Prognosen

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Stirbt das Land vor Langeweile?“
(berliner-zeitung.de, Malte Welding)
Deutschland sei ein Entwicklungsland der Unterhaltung, schreibt Malte Welding in einem langen Text zum deutschen Fernsehen: „Das deutsche Fernsehen steht so patschzufrieden im eigenen Saft, dass es mit großer Fröhlichkeit darin ersaufen wird, in der Karnevalsbrühe aus Küstenwachenwiederholungen und Serien mit Tieren in der Hauptrolle und Selbstversicherungskabarettsendungen und Redaktionen nach Parteiproporz, die Politsendungen simulieren, und ist die Rente sicher und kippt der Euro und stirbt das Land? Ja, das Land stirbt. Vor Langeweile.“

2. „Die Gesellschaft hat auf ‘live’ umgeschaltet“
(tageswoche.ch, Peter Sennhauser und Matieu Klee)
Welche Auswirkungen auf den Journalismus das Zusammenspiel von Leserreportern und Redaktionen hat. „Heute kann die Verbreitung von Unfallbildern via Soziale Medien nicht und in den professionellen Medien je länger je weniger gebremst werden. Diesen Trend sehen die Infostellen des Basler Sicherheitsdepartementes an Bagatellfällen: ‘Wir verzeichnen eine deutliche Zunahme von Anfragen aus Redaktionen, wenn schon nur irgendwo drei Streifenwagen zugleich stehen’, sagt Martin Schütz. Alarmiert von den Amateurberichterstattern auf Twitter, verlassen sich Journalisten nicht mehr auf herkömmliche Informationskanäle und fragen nach. Auch dann, wenn die Polizisten lediglich in der Pause gemeinsam einen Kaffee trinken wollen.“

3. „Eine Nase tankt Super“
(zeit.de, Anne Kunze)
Anne Kunze beschäftigt sich mit Verträgen zwischen der ARD und Moderatoren: „Der Vertrag für Gottschalk live wurde zwischen der privaten Produktionsfirma Grundy Light Entertainment und der ARD-eigenen Gesellschaft Degeto geschlossen. Der Medienforscher Horst Röper spricht von einem ‘Trick, den die Intendanten schon mehrfach angewendet haben, um die Gremien zu umgehen. Es geht nicht um Peanuts, sondern um Riesenaufträge. Eine wirkungsvolle Kontrolle durch die Gremien findet nicht statt. Das geht doch nicht.’“

4. „Journalismus und Prognosen“
(lukaskiepe.de)
Lukas Kiepe stört sich daran, dass „Spiegel Online“ Prognosen zu den Landtagswahlen im Saarland in der Überschrift als Tatsachen darstellt.

5. „Ich bin nicht immer meiner Meinung“
(nzz.ch, Georg Renöckl)
Georg Renöckl interviewt Karl-Markus Gauß: „Ich glaube, dass sich die Zeitungen am ehesten selbst abschaffen, wenn sie ihre ureigenen Qualitäten zurückdrängen und versuchen, sich mittels aufgeblähter Fototeile und anderer Dinge, die nicht ihr genuines Merkmal sind, eine fadenscheinige Modernität zu verleihen. Zeitungen werden überleben, wenn sie wirklich im klassischen Sinne aufklärende Medien sind, mit anspruchsvollem Programm.“

6. „Günther Grass leiht sich Martin Walsers Hund“
(welt.de, Hans Zippert)

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