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Strom-Wildwucher

Seit einigen Wochen ist „Bild“ von der Idee besessen, dass der Strompreis „bald so rasant wie der Benzinpreis“ steigen könnte. Schuld soll vor allem die Solarbranche sein, wofür „Bild“ gerne mal irgendwelche Studien missversteht.

Gestern hatte „Bild“ aber endlich eine seriöse Quelle aufgetan:

Strompreise noch höher. Kommt nach der Benzin-Abzocke nun der Strom-Wucher? Wegen höherer Netzentgelte zur Finanzierung der Energiewende drohen den Verbrauchern nun steigende Strompreise. Laut Bundesnetzagentur wird sich allein der Haushaltsstrom künftig um fünf bis sieben Prozent jährlich verteuern, berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Nein, das hatte die „FAZ“ so nicht berichtet. Auf Seite 11 hieß es dort:

Höhere Netzentgelte zur Finanzierung neuer Stromautobahnen und Verteilerleitungen werden die Strompreise empfindlich nach oben treiben. Nach Schätzungen der Bundesnetzagentur wird sich Haushaltsstrom allein dadurch in den kommenden Jahren um 5 bis 7 Prozent verteuern.

(Hervorhebung von uns.)

Auch die Nachrichtenagenturen dapd, die die Vorabmeldung der „FAZ“ am Sonntag verbreitet hatte, hatte die Formulierung „in den kommenden Jahren“ gewählt. „Bild“ machte daraus „jährlich“.

Auf unsere Anfrage hin erklärte die Pressestelle der Netzagentur, die „5 bis 7 Prozent“ bezögen sich auf die nächsten zehn Jahre.

Um diesen kleinen sprachlichen Unterschied zu verdeutlichen, haben wir mal eine etwas grobe Grafik gebastelt:

(Ausgangswert: 100 Prozent, angenommene Preisentwicklung: 6 Prozent.)

Ein Unterschied zwischen 6 und 79 Prozent Preissteigerung.

Mit Dank an Johannes Sch. und Stephanie G.