„Bild“ nennt Sex-Täter (nicht) „Schwein“

Was „Bild“ sich da heute leistet, findet auch Lutz Tillmanns vom Presserat „sehr …

Aber nein, fangen wir lieber gleich mit der „Bild“-Überschrift selber an:

"Schon wieder so ein brandgefährlicher Kinderschänder frei -- JUSTIZ LÄSST ******* LAUFEN (Schwein darf BILD nicht schreiben, sonst gibt es Ärger mit dem Presserat)"

Die Überschrift steht über einem Artikel zu einer aktuellen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts über den Umgang mit einem Sexualstraftäter.

Und um das einmal ausdrücklich hinzuschreiben: Das Bekenntnis zur Achtung vor der Wahrheit, zur Wahrung der Menschenwürde usw. (wie der Pressekodex als „oberste Gebote der Presse“ umreißt) ist freiwillig. Auch wenn die „darf nicht“-Formulierung, die „Bild“ über das Wort „Schwein“ gedruckt hat, einen anderen Eindruck erweckt: Niemand hat „Bild“ das Wort „Schwein“ verboten; „Bild“ hat es selbst gewählt – und tut anschließend so, als sei der „unfassbare Fall“ geradezu doppelt unfassbar: als dürfe über den Justiz-„Skandal“ nicht einmal so berichtet werden, wie „Bild“ es für angemessen hält.

Presserats-Geschäftsführer Lutz Tillmanns nennt die Überschrift auf Nachfrage* jedenfalls „sehr ungewöhnlich“ und erkennt darin „eine gewisse Form von differenzierter Unsicherheit“ – als versuche „Bild“, sich „von der ethischen Verantwortung zu entlasten“, die öffentliches Publizieren nun mal mit sich bringt. Doch könne auch der Presserat der „Bild“-Zeitung die eigene Verantwortung nicht nehmen.

*) Für die Frage, ob die „Bild“-Überschrift zulässig ist oder gegen den Pressekodex verstößt, sei laut Tilmanns der Beschwerdeausschuss zuständig, wenn denn dazu beim Presserat eine berechtigte Beschwerde eingehe.