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Quelle: Andere Zeitung

Wenn „Bild“ Fotos von Opfern oder Tätern druckt, kommt oft die Frage auf, woher sie das jetzt wieder haben. Manchmal lautet die Antwort schlicht „aus dem Internet“, manchmal lässt sie sich einigermaßen klar mit „aus Polizeikreisen“ umreißen und manchmal — ja, manchmal bedient sich „Bild“ auch einfach bei anderen Medien.

Ein sogenanntes Trennungsdrama bebilderte die Zeitung gestern mit dem großformatigen, unverfremdeten Foto eines Polizisten, der erst seine Tochter und anschließend sich selbst erschossen hatte:

Polizist erschießt Tochter (8) mit Dienstpistole

Es ist nicht so, dass „Bild“ verschwiegen hätte, woher dieses Foto kam:

Foto: Trierischer Volksfreund

Nur der Weg, wie es zu „Bild“ kam, ist ein steiler: „Bild“ hatte das Foto, das vor einiger Zeit bei einer anderen Gelegenheit entstanden war, auf der Internetseite des „Trierischen Volksfreund“ entdeckt und beim Fotografen nachgefragt, ob sie es verwenden dürfte. Die Redaktion des „Volksfreund“ erklärte uns gegenüber, sie habe dies abgelehnt, was „Bild“ am Telefon zunächst auch akzeptiert habe. Das Foto erschien am Montag trotzdem in „Bild“.

Der „Volksfreund“ wies heute am Rande eines Artikels über den Fall auf das Vergehen von „Bild“ hin:

Die Bildzeitung hatte den Fall des Trierer Kommissars groß aufgemacht und dabei ein bei anderer Gelegenheit entstandenes Bild des Täters aus volksfreund.de verwendet – widerrechtlich und ohne Genehmigung des TV.

Die Chefredaktion des „Volksfreund“ erklärte uns auf Anfrage, dies sei nicht das erste Mal, dass sich „Bild“ oder andere Boulevardmedien auf diese Weise Fotos beschafft hätten. Die Zeitung werde daher juristisch gegen „Bild“ vorgehen.

Sie wird sich dabei auf das sogenannte Urheberrecht berufen, auf das die Axel Springer AG, die „Bild“ herausgibt, sonst so viel Wert legt.

Mit Dank an Lars W.