Keine Geschwindigkeit ist auch keine Hexerei

Das Internet ist ein schnelles Medium, und Schnelligkeit geht bei Online-Medien leider häufiger vor Richtigkeit.

Das Besondere an dieser Geschichte ist nur, dass Bild.de gar nicht schnell war. Dass eine 20-Jährige Texanerin am Mittwochabend behauptete, ein Mann habe sie in Pittsburgh überfallen und ein „B“ in ihre Wange geritzt, nachdem er gesehen habe, dass sie eine Anhängerin des republikanischen Präsidentschaftskandidaten John McCain sei, meldete zum Beispiel die amerikanische Nachrichtenagentur AP schon am frühen Freitagmorgen unserer Zeit.

Bild.de griff den Fall erst um 21.15 Uhr auf — und berichtet durchaus mit Skepsis, aber leider auch der üblichen Konjunktiv-Phobie der „Bild“-Zeitung:

Tatort Pittsburgh. Ashley Todd wird brutal attackiert, ein Mann schlägt sie zu Boden, will ihr Geld. Sie gibt ihm ihre 60 Dollar. Doch als er einen John McCIain-Sticker [sic] an ihrem Auto sieht, dreht er durch! Er schreit: „Du bist eine von den McCain-Leuten.“ Dann schnappt er ich [sic] ein Messer und ritzt der 20-Jährigen ein „B“ in die Wange!

Zu dem Zeitpunkt, als Bild.de den Artikel (offenbar in Eile) veröffentlichte, hatte sich die Geschichte eines Überfalls allerdings längst in die Geschichte einer Lüge verwandelt. Auch AP meldete inzwischen, dass die Frau den Überfall nur erfunden habe.

Blöd, wer im Online-Journalismus daneben liegt, nicht weil er zu schnell ist, sondern zu langsam.