In einem Aufwasch

Lustig, dass FDP-Fraktionschef Wolfgang Gerhardt die Falle nicht gesehen hat, die „Bild“ aufgestellt hatte. Die Zeitung hatte berichtet, dass die zwei Gehalts-Nullrunden des Bundes-Kabinetts durch einen Automatismus im Gesetz bei der nächsten Erhöhung 2005 ausgeglichen werden könnten. Nach einer kurzen Empörungswelle verkündete sie jetzt den Sieg: „Bild stoppt Gehaltserhöung für Politiker“.

All das bezieht sich zwar auf Minister und nicht den normalen Bundestagsabgeordneten, wie „Bild“ auch im Text andeutete. Aber an entscheidender Stelle groß in den Schlagzeilen schrieb sie nicht „Minister“, sondern immer „Politiker“, was nicht nur dramatischer klang, sondern die nächste Erregungswelle vorbereitete. Als Gerhardt in einer „Sabine Christiansen“-Sendung über Managergehälter die Diäten von Abgeordneten verteidigte, schnappte die Falle zu: Mit der Schlagzeile „Dieser Politiker fühlt sich unterbezahlt“ findet er sich nun im Ministergehälter-Kontext im Blatt. Damit hat sich vermutlich jeder Gedanke an die geplante Diätenerhöhung erledigt.

Hatte Gerhardt eigentlich wirklich unterbezahlt gesagt? „Bild“ zitiert ihn mit den Worten, die Diäten seien „eher bescheiden“ und „nicht überhöht“. Das ist ja fast das Gleiche. So wie Abgeordneten-Diäten und Kabinetts-Gehälter.