„Bild“ verspekuliert sich bei Rentenkasse

Da war Dirk Hoeren, „Bild“-Experte für Rentenlügen, wohl etwas voreilig. Gestern nachmittag nämlich veröffentlichte „Bild“ im Online-Angebot einen Text von ihm (und gab laut „FR“ eine Vorabmeldung heraus), wonach die Deutsche Rentenversicherung 44,5 Millionen Euro „möglicherweise verzockt“ habe. Wie die Nachrichtenagentur AFP schreibt, lautete die Überschrift offenbar zunächst:

Rentenversicherung verzockte 44,5 Millionen Euro bei Lehman

Und noch immer heißt es in der Browser-Zeile: „Rentengelder verspekuliert! 44,5 Mio Euro bei Pleitebank Lehman Brothers angelegt“.

Das ist natürlich eine Geschichte, mit der man derzeit eine Menge Aufmerksamkeit* erregen kann. Selbst dann, wenn sie nicht stimmt.

Dass sie nicht stimmte, weiß inzwischen offenbar auch „Bild“. Die Überschrift des „möglicherweise-verzockt“-Textes wurde auf Bild.de inzwischen entschärft und lautet nur noch:

Rentenkasse legte Millionen bei Pleite-Bank an

Die Rente ist sicher:

„Krumnack [Erster Direktor der Rentenversicherung Rheinland] zu BILD: ‚Das Geld ist durch den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes der deutschen Banken geschützt. Wir rechnen damit, dass die Einlagen plus Zinsen bis zum Jahresende ausgezahlt werden.'“

Dass die Millionen offenbar über den Einlagensicherungsfonds des Bundesverbandes Deutscher Banken geschützt sind, erfährt der Leser allerdings erst in einem zweiten Anlauf Artikel zum Thema (siehe Kasten), der es heute immerhin auf die Titelseite der gedruckten „Bild“ geschafft hat:

"Rentenkasse legte Millionen bei Pleite-Bank an!"

Das große „Uff“, mit dem da der Aufreger in sich zusammensinkt, ist jedoch nicht mal eine Neuigkeit. Im Gegenteil: Man hätte das alles schon seit 14. Oktober in einer Bundestagsdrucksache (pdf) nachlesen können (und seit gestern auch in einer Mitteilung des Bundestags). Dirk Hoeren hat das offenbar versäumt.

Ganz aufgeben mochte die „Bild“-Zeitung ihren Alarmismus heute aber doch noch nicht und schreibt:

"Rentenkasse spekulierte bei Pleite-Bank"

Inwiefern allerdings „Termineinlagen in verschiedenen Stückelungen“ spekulativ sind, weiß wohl nur „Bild“. Oder auch nicht: Termineinlagen unterliegen nämlich, anders als zum Beispiel Aktien, keinem Kursrisiko. Und weil die Einlagen außerdem durch den Einlagensicherungsfonds geschützt sind, hat die Rentenversicherung sichergestellt, was „Bild“ korrekt referiert: „dass ein Wertverlust ausgeschlossen ist“.

Der „Bild“-Artikel endet dennoch mit den Worten des „FDP-Finanzexperten Frank Schäffler“:

„In der Finanzkrise haben nicht nur die Banken, sondern auch die Sozialkassen versagt. Auch die Rentenversicherung muss ihr Risikomanagement bei Geldanlagen dringend verbessern.“

Und vielleicht finden „Bild“ und ihr Experte ja bei Gelegenheit auch einen Beleg für diese Behauptung.

Mit Dank an den Finblogger!

*) Andere Berichte zum Thema bspw. hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier oder hier.