Stille Post

In der „Welt“ stand gestern die etwas seltsame „Geschichte einer wundersamen Freundschaft“. Anlass war der 15. Jahrestag des tödlichen RAF-Attentats auf den Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen. „Welt“-Autor Ulli Kulke war nämlich damals, am 30. November 1989, Wirtschaftsredakteur bei der „taz“ und erinnerte sich nun, 15 Jahre später, für die „Welt“ an Herrhausens Todestag – und an Tanja Neumann. Denn Neumann (damals 27 Jahre alt, Studentin und „taz“-Autorin) hatte Kulke unmittelbar nach dem Attentat erzählt, dass sie Herrhausen bereits 1982 als Schülerin bei einer TV-Diskukussion kennengelernt hatte. Und was Neumann vor 15 Jahren noch erzählt hatte, fasste Kulke gestern in der „Welt“ zusammen:

„Drei, vier Mal wöchentlich hatte sie mit dem Bankenchef telefoniert, mal länger, mal kürzer. Seit sieben Jahren. Sie schrieb ihm Briefe, 300, 400 lange Briefe; er rief sie an, tagsüber, abends. (…) Während Tanja über all die Jahre den Kontakt geheim hielt (…), scheute sich Herrhausen nicht, sein Umfeld über seinen Draht zur Szene auf dem Laufenden zu halten. Die Sekretärin stellte durch; die Ehefrau Traudl Herrhausen zu Hause ebenso. (…) Seine Neugier war eben unbändig, wenn es um die nachwachsenden Köpfe ging, egal ob 68er oder 86er, Generation Käfer oder Golf.“

So, und was macht „Bild“ heute? Erzählt die irgendwie rührende Erinnerung an Herrhausen nach und macht daraus:

Und die ebenso schwüle wie irreführende Überschrift zu der Nacherzählung lautet in „Bild“ natürlich: