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Franz Josef Wagner wird verrückt

Der Mann, der im Juli in Norwegen bei einem Bombenanschlag im Osloer Regierungsviertel und bei einem Massaker auf der Insel Utøya 77 Menschen getötet hat, ist laut einem psychiatrischen Gutachten unzurechnungsfähig. Das bedeutet, dass er womöglich nicht ins Gefängnis kommt, sondern in eine psychiatrische Anstalt eingewiesen wird.

„Bild“-Kolumnist Franz Josef Wagner stellt sich das wie folgt vor:

Ab ins Kuckucksnest, Einweisung in ein Psycho-Krankenhaus. Morgens eine Pille, abends eine Pille. Wie wunderbar. Sie sind kein Massenmörder mehr. Sie sind ein Patient. Seelenärzte kümmern sich um Sie.

Geht es Ihnen gut?

Wie fühlen Sie sich heute?

Was haben Sie geträumt?

Wagner findet diese Vorstellung unerträglich:

Massenmörder als Patienten, ich werde verrückt. Dschingis Khan, Stalin, Hitler, Mao, Pol Pot als Patienten.

Er schließt:

Für mich gehören diese Typen nicht in die Psychiatrie, für mich gehören Sie ins Gefängnis. Sie müssen büßen.

Es ist nicht der erste Brief, den Wagner an den „Teufels-Killer“ („Bild“) schreibt. Am Montag nach den Attentaten hatte er dies erstmals getan.

Damals schrieb Wagner:

Ich glaube, dass Sie ein Psycho sind. Sie sind ein Psycho wie die Attentäter von 9/11.

Einen Unterschied konnte Wagner allerdings ausmachen:

Die Attentäter von 9/11 hatten braune Augen, sie rasierten sich ihre Haare ab, bevor sie sich mit ihren Flugzeugen in die Türme stürzten.

Sie sind ein nordischer Psycho. Blond, blaue Augen, keine Drogen, keine Tattoos, Bodybuilder, Jogger, 1,82 Meter, 80 Kilo.

Aber vielleicht hatte Wagner die Bezeichnung „Psycho“ damals gar nicht als Diagnose gemeint, sondern als Schimpfwort.

Menschen, die wirklich in die Psychiatrie müssen (und dort „an Füßen und Armen festgeschnallt“ werden), nennt Franz Josef Wagner ja ganz anders: die nennt er „Monster“.

Mit Dank an Oliver K.