Auf dem Boulevard wird schon Salz gestreut

So lag „Bild“ gestern in Berlin am Kiosk:

So zeigt sich ein Berliner Abgeordneter im Internet

Im Inneren erklärte die Zeitung dann, wer der Abgeordnete ist (Simon Weiß von der Piratenpartei) und was er da auf dem Foto macht:

Ein junger Mann beugt sich über eine Linie weißes Pulver. An seine Nase hält er eine Papierrolle. Und deutet an, die weiße Substanz hochzuziehen als wäre es Kokain. Daneben steht ein Salzstreuer. Das Foto zeigt Pirat Simon Weiß (26), der im Abgeordnetenhaus sitzt. Er hat es über den Internetdienst Twitter veröffentlicht.

Bei Bild.de ging die Geschichte erst nach einer Drehung an der Meta-Schraube online und klang dann so:

Seine Idee: ein bisschen Drogen-Provokation. Wie originell!

Auf seinem Twitter-Account hat er ein neues Profilfoto eingestellt. Zu sehen: Simon Weiß, wie er seinen Kopf über eine Tischplatte beugt, mit der linken Hand hält er sich das linke Nasenloch zu, an das rechte Nasenloch drückt er eine Papierrolle, deutet an, eine helle Substanz hochzuziehen als wäre es Kokain. Links im Bild: ein Salzstreuer. Ha-ha!

Die Salz-Schnupf-Experten von Bild.de finden das offenbar nicht lustig:

Lustig hin, lustig her, Fakt ist: Der Landespolitiker täuscht eine Straftat vor.

Denn der Konsum von harten Drogen ist in Deutschland verboten!

Das stimmt so nicht: Der reine Konsum von Kokain ist in Deutschland nicht verboten, wohl aber der Besitz, die Herstellung oder der Handel (der Konsum ohne vorherigen Besitz ist natürlich ein wenig knifflig). Und unter „Vortäuschen einer Straftat“ versteht man die Anzeige einer nicht begangenen Straftat wider besseres Wissen.

Simon Weiß zeigte sich angesichts der großen „Bild“-Geschichte über seine Person auf Twitter recht entspannt und wollte die Aktion als „privat betriebene Satire“ verstanden wissen. Dem Präsidenten des Berliner Abgeordnetenhauses, der bei Bild.de erklärt hatte, dass seines Erachtens „durch das Foto der Konsum von harten Drogen verharmlost wird“, warf Weiß vor, den „Stichwortgeber“ für das „Hetzblatt“ „Bild“ zu „spielen“. Abschließend verwies er auf die Fotografin des Salzbildes, die „Bild“ nach eigenen Angaben darauf hingewiesen hatte, dass die Zeitung das Foto nicht ohne weiteres hätte abdrucken dürfen.

Mit Dank an Brainfucker, Markus M. und Sebastian C.