Feindliche Christen

Der Satz, den Altbundeskanzler Helmut Schmidt dem „Hamburger Abendblatt“ gesagt hat, ist tatsächlich bemerkenswert und einer Schlagzeile würdig:

„Es war ein Fehler, Gastarbeiter ins Land zu holen.“

„Bild“ macht ihn zu einer Überschrift unten auf Seite 1 und fasst Schmidts Äußerungen zusammen:

Das Ideal einer „multikulturellen Gesellschaft“ sei in demokratischen Staaten wie Deutschland nicht durchsetzbar (…).

Da ist „Bild“ an entscheidender Stelle ungenau. Tatsächlich hatte Schmidt gesagt, das Konzept sei mit einer demokratischen Gesellschaft „kaum vereinbar“. Das „Abendblatt“ schreibt über eine kurze Zusammenfassung des Interviews denn auch: „Schmidt: Multikulti ist kaum möglich„.

Interessant ist auch, dass „Bild“ den Hauptgrund, den Schmidt dafür nennt, nicht erwähnt. Er spricht nämlich nicht nur von mangelndem Integrationswillen der Ausländer, sondern sagt vor allem:

Das liegt an der Feindlichkeit, mit der alle christlichen Kirchen über Jahrhunderte die Europäer gegenüber anderen Religionen erzogen haben, insbesondere gegenüber dem Judentum und dem Islam. Gegenüber dem Judentum seit beinah 2000 Jahren, gegenüber dem Islam seit über 1000 Jahren. Wir haben eine Grundhaltung der Abwehr gegenüber diesen Religionen erzeugt, und wenn jetzt einige Idealisten von Toleranz reden, kommt dieser Appell Hunderte von Jahren zu spät.

Hoppla. Anscheinend hatte „Bild“ für diesen interessanten Aspekt leider keinen Platz mehr, weil das Blatt schon wieder eine ganze Seite für dieses Thema freiräumen musste.