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Streng daneben ist auch vorbei

In Detmold ist vor zehn Tagen eine 18-Jährige entführt worden.

„Bild“ schreibt heute:

Die Polizei sucht sie mit 200 Mann! Die Ermittler fürchten: Die Kurdin wurde von ihren Geschwistern ermordet, weil sie einen Deutschen liebt!

Arzu wuchs mit fünf Brüdern und vier Schwestern in Detmold (NRW) auf. Die Erziehung war streng muslimisch.

Auch wenn es so schön ins Weltbild von „Bild“ und ihren Lesern passen mag: Die junge Frau ist keine Muslima, sondern eine Jesidin. Die Jesiden sind unter den Kurden, die sonst überwiegend muslimisch sind, eine religiöse Minderheit und wurden von Muslimen teilweise als „Teufelsanbeter“ bezeichnet.

Die „Neue Westfälische“ hat den religiösen Hintergrund der Familie in einem längeren Artikel beleuchtet. Darin heißt es auch, dass Jesiden im Irak, der Türkei oder Syrien, „zum Teil seit Jahrhunderten“ verfolgt und unterdrückt würden, jesidische Frauen aber „keineswegs generell“ unterdrückt würden. „Bild“ glaubt, mit „Die Erziehung war streng muslimisch“ alles gesagt zu haben.

Aber vielleicht ist es das, was Kai Diekmann meint, wenn er sagt: „Journalismus ist Komplexitätsreduktion“.

Mit Dank an Lukas M., Andi und Jan S.