Müllbilder, Behinderung, Ai Weiwei

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Geschichten aus der Gruft zum Gruseln“
(faz.net, Peer Schader)
Wie die RTL-Sendung „Einsatz in 4 Wänden“ und andere Menschen mit Messie-Syndrom inszenieren: „Müllbilder werden farblich verfremdet und mit Choralgesängen unterlegt. Außenaufnahmen der renovierungsbedürftigen Häuser werden mit surreal wirkenden Effekten aufgepeppt. Per Computer lässt RTL dunkle Wolken aufziehen, schickt Blitze und Regen vom Himmel und montiert zwei in der Wohnung aufgenommene Weberknechte so ins Bild, dass es aussieht, als würde das Haus von Riesenspinnen angegriffen.“ Siehe dazu auch Peer Schaders Blogeintrag „Die falschen Experten aus den Messie-Sendungen“.

2. „Wenn Sprache behindert“
(raul.de, Raúl Krauthausen)
Raúl Krauthausen liest Zeitungen und Magazine, die über „Behinderung“ schreiben. „Journalisten_innen neigen dazu, die Extreme einer Person beziehungsweise einer Geschichte hervorzuheben und zu überhöhen. Dann überstrahlt das schwere ‚Schicksal‘ des ‚Sorgenkinds‘, alles, was diesen Menschen über seine Behinderung hinaus auszeichnen könnte. Das andere Extrem ist der ‚Superkrüppel‘, jener Mensch, der seine Behinderung offenbar ‚überwunden‘ hat, den Mount Everest mit seinem Rollstuhl erklimmt, und als Held gefeiert wird. Wenn jemand etwas ‚trotz‘ statt ‚mit‘ seiner Behinderung schafft, dann ist es sofort eine besondere Leistung. “

3. „Ai Weiwei und die deutsche Presse – Einige Nachfragen“
(doppelpod.com, Christian Y. Schmidt)
Christian Y. Schmidt stellt Fragen zu Ai Weiwei: „Wieso gilt ein Mann, der in China auch heute noch weitgehend unbekannt ist, in Deutschland als ‚Chinas prominentester Künstler, der großartige Werke geschaffen hat‘?“

4. „Chinas Informations-Monopol wackelt“
(infosperber.ch, Peter G. Achten)
Die Arbeit der chinesischen Zensur wird immer schwieriger – dank dem Internet: „Eine Fernsehsendung kurz mit einem schwarzen Bildschirm zu unterbrechen – was notabene auch heute noch vorkommt, vor allem bei Hongkong- und ausländischen Sendern – ist wahrlich keine grosse Kunst, und in Zeitungen und Zeitschriften aus dem Ausland Seiten zu entfernen – wie neulich beim deutschen Nachrichtenmagazin ‚Der Spiegel‘ und dem britischen ‚Economist‘ – ist zwar arbeitsintensiv, aber weiter auch kein Problem. Schwieriger schon wird es beim Internet und brenzelig bei der seit wenigen Jahren schnell wachsenden Micro-Blogger-Szene.“

5. „Neulich in der BILD (I): ’10 Urteile, die uns wütend machen!'“
(wissmit.com)
WissMit.com, „ein privates Projekt von wissenschaftlichen Mitarbeitern und Hilfskräften der juristischen Fakultät der Universität zu Köln“, befasst sich mit einigen der „10 Urteile, die (nach BILD-Meinung) wütend machen sollen!“

6. „Spaniens große Parteien kontrollieren die Berichterstattung“
(dradio.de, Hans-Günter Kellner)
Wahlkampf in Spanien: „Bilder und Töne liefern die Parteien den Medien direkt per Satellit oder via Internet. Journalisten dürfen nicht in die Säle und werden in die Presseräume verwiesen, wo sie auf Bildschirmen die Veranstaltung verfolgen dürfen. So stehen die Kandidaten immer im richtigen Licht. Halbleere Säle oder gar Störer, die früher auch mal Protestplakate in die Höhe hielten, fallen nicht mehr auf.“