„Da ist nicht der Hauch einer Kritik“

Günter Wallraff hat mit der „Frankfurter Rundschau“ unter anderem über sein Verhältnis zur „Bild“-Zeitung gesprochen, darüber, ob „Bild“ harmloser geworden ist und über die öffentliche Blattkritik:

Seit Kurzem gibt sich Bild selbstkritisch, öffentlich im Internet – auch mit Prominenten wie Außenminister Frank-Walter Steinmeier oder Hellmuth Karasek als Blattkritikern.

Ja, die beiden habe ich mir angehört. Zuerst dachte ich, das ist Satire, aber es war ernst gemeint. Bei unserem Außenminister und SPD-Kanzlerkandidaten hatte man schwer den Eindruck, dass er sich durch Anbiederung Vorteile verschaffen wollte. Als Erstes attestierte er Bild doch tatsächlich „Enthüllungsjournalismus in eigener Sache“, so dass es sogar dem Bild-Chefredakteur peinlich schien und er zum Schluss sagte: „Sie hätten ruhig mal etwas strenger mit uns sein können.“ (…)

Aber wie [Karasek] sich auf der Überholspur durchschleimt, ist unfassbar. (…) Der Professor katzbuckelt und bedankt sich artig. So geht es weiter, da ist nicht der Hauch einer Kritik.

Warum hat die Bild-Zeitung solche Fürsprecher nötig?

Weil das Blatt Auflage verliert. Das Image der Zeitung ist auch bei Durchschnittslesern nicht besonders: Man liest es zwar, aber man glaubt es nicht so richtig. Von diesem Image wollen sie weg. (…)

Sie haben die Machenschaften der Bild-Zeitung Ende der 70er in drei großen Enthüllungsbüchern dargelegt. Ist Bild heute harmloser geworden?

Bild ist immer noch eine Vernichtungsmaschinerie. Als Bundeskanzler hat Helmut Schmidt mal gesagt, es komme einem politischen Selbstmord gleich, sich mit Bild und der Springer-Presse anzulegen. Das bekommen nach wie vor viele zu spüren, die das wagen. Die werden abgeschossen – Journalismus als Menschenjagd.