Sieben auf einen Streich

Nicht alles, aber womöglich doch vieles von dem, was im Onlinejournalismus falsch läuft, lässt sich anhand dieses Artikels aus dem Online-Auftritt der „Abendzeitung“ aufzeigen:

Siebenfacher Mord: Mann sprengt sich in die Luft

Da ist zunächst einmal dieses knallige Foto, das natürlich auch als Teaser auf der Startseite zu finden war. Es zeigt also einen Mann, „das Gesicht verhüllt, die Hände in Skihandschuhe gesteckt“, vor einer beeindruckenden Feuerwand/Explosion. Die Leute von der „Abendzeitung“ haben ihn dort allerdings hineinmontieren müssen, denn der tatsächliche Bildhintergrund war nicht ganz so spektakulär:

Mindestens ebenso bemerkenswert sind natürlich auch die oben abgebildete Überschrift und der Vorspann der Meldung:

Handschuhe, Kapuze, Gesicht verhüllt: Wolfgang M. steht wegen siebenfachen Mordes vor Gericht und soll sich selbst in die Luft gesprengt haben. Der Mann hat schwerste Verbrennungen.

Bemerkenswert vor allem, weil auf den „siebenfachen Mord“ in Überschrift und Vorspann diese Meldung folgte:

Wegen versuchten Mordes in sieben Fällen muss sich seit Montag der mutmaßliche Serienräuber Wolfgang M. vor dem Münchner Landgericht verantworten. Der 50-Jährige soll im August 2010 nach einem Überfall im Raum Augsburg auf der Flucht seinen Wagen mit Propangas in die Luft gejagt haben, um sich selbst zu töten.

Dabei wurden sieben Polizisten verletzt. Der Angeklagte erlitt schwerste Verletzungen und ist ein Pflegefall. Gegen ihn wird voraussichtlich an neun Tagen verhandelt.

Da haben wir also eine aufmerksamkeitsheischende Fotomontage und eine Überschrift, die nur wenig mit der Meldung selbst zu tun hatte. Geht noch mehr?

Aber ja: Im Laufe des Nachmittags haben die Online-Redakteure von der „Abendzeitung“ die komplette Meldung durch einen deutlich längeren Artikel ersetzt und dabei auch unauffällig die Aussage der vorherigen Überschrift korrigiert.

Prozess in München - Mordversuch: Serienräuber sprengt Auto

Mit Dank an Bernd A.