Der neue Milchmädchenatlas

Erst vergangene Woche versuchten wir anhand des sogenannten „Einbruchs-Atlas“ der Bremer Regionalausgabe von „Bild“ zu erklären, warum es sinnlos ist, bei der Erstellung von Karten nur absolute Zahlen einzubeziehen und etwa die Einwohnerzahlen der einzelnen Teilgebiete und andere Faktoren zu ignorieren.

Zu Bild.de ist das anscheinend nicht durchgedrungen. Dort gibt es jetzt den „neuen Pleite-Atlas“, der anzeigt, wo in Deutschland die meisten Privatinsolvenzen angemeldet werden:

Viele Deutsche geraten in die Privatinsolvenz. BILD.de zeigt den Bundesländervergleich: Dunkel gefärbte Länder weisen eine große Anzahl zahlungsunfähiger Bürger auf, die hellen eine niedrige Drucken Versenden Bookmarken Teilen Privat-Insolvenzen Der neue Pleite-Atlas

Es überrascht wenig, dass es genau in den Ländern die meisten Privatinsolvenzen gibt, in denen am meisten Menschen leben: NRW, Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen. Kleinere Bundesländer wie Bremen hingegen schneiden automatisch gut ab.

Viel nützlicher wäre es gewesen, die Anzahl der Privatinsolvenzen mit den Einwohnerzahlen zu verrechnen. Dass der „Pleite-Atlas“ ein Muster ohne Wert ist, geht sogar aus dem Artikel auf Bild.de hervor:

Bei den relativen Werten je 100 000 Einwohner gestaltet sich besonders die Schuldnersituation im Norden kritisch.

Die meisten Pleitiers pro 100 000 Einwohner leben in Bremen (162 Fälle), Hamburg (119), Niedersachsen (110) und Schleswig-Holstein (108). Während der Bundesdurchschnitt bei 84 Fällen je 100 000 Einwohner rangiert, stehen Bayern mit 61 Privatinsolvenzen, Baden-Württemberg (62) und Thüringen (74) im Ländervergleich am besten da.

Mit Dank an Mike W. und Boris.