Good Molch, bad Molch

Vielleicht können Psychologen erklären, warum Christian von Boetticher, frischgebackener Ex-designierter Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, das erste Interview nach seinem Rücktritt ausgerechnet jener Zeitung gegeben hat, die als erstes Medium über seine Beziehung zu einem damals 16-jährigen Mädchen berichtet hatte: Der „Bild am Sonntag“.

Die Folgeberichterstattung über Boettichers Rücktritt, seine ehemalige Geliebte und seine „Blitzhochzeit“ mit seiner langjährigen Lebensgefährtin hatte dann „Bild“ übernommen.

Oder, wie es die „Bild am Sonntag“ ausdrückt:

Es ist seitdem viel über die Affäre, ihre Folgen und die Darsteller geschrieben und gesendet worden, man hat Boetticher in diesem Zusammenhang „einen Lolita-Politiker“ genannt oder, deutlicher noch, einen „Lustmolch“.

Die letzte Bezeichnung scheint auch Boetticher schwer getroffen zu haben:

„(…) Erst wurde ich zum Kinderschänder gemacht, dann zum Weiberhelden und Lustmolch.“

Und dann direkt wieder „BamS“:

Wie lustig ist es für einen konservativen Politiker aus Schleswig-Holstein, Lustmolch genannt zu werden?

Man kann Boettichers Monologe durchaus unterbrechen, man muss dazu zwei bis drei Anläufe unternehmen. Aber er lässt die Unterbrechungen zu, sie verstimmen ihn nicht.

„Über den Lustmolch haben meine Freunde noch geschmunzelt. Sie wissen genau, dass ich mich weder zum Lustmolch noch zum Weiberhelden eigne.“

Langsam sollte es auch ein gemeiner Schwanzlurch verstanden haben: Herr Boetticher wurde als „Lustmolch“ bezeichnet.

Aber wer war so böse, herz- und lustlos?

Sie, lieber von Boetticher, Sie sind weder christlich noch sozial. Sie sind ein Lustmolch. Herzlichst, Ihr Franz Josef Wagner

Mit Dank an Oliver K.