Apple und Birnen

Der Aktienkurs des Unterhaltungselektronikkonzerns Apple ist in den letzten Jahren derart grotesk gestiegen, dass man sich schon im Internet ansehen kann, wie reich man inzwischen sein könnte, wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt statt eines Computers der Firma deren Aktien gekauft hätte.

Auch der Münchner Marketingmanager Helmut Schwarz hätte sehr viel Geld machen können, wenn er vor 14 Jahren Apple-Aktien gekauft hätte. Das hat er dem Blog des „Süddeutsche Zeitung Magazins“ erzählt:

Am 1. Juli 1997 kostete die Apple-Aktie 3,30 US-Dollar, heute ist sie 384 Dollar wert. Ich hätte damals ungefähr 5000 Dollar gehabt. Mein Aktienanteil wäre jetzt also sportliche 1,9 Millionen Dollar wert. In diesem Zeitraum gab es allerdings auch zwei Stocksplits bei denen die Aktienzahl erhöht und der Wert der Aktie jeweils halbiert wurde. Damit wäre der reale Wert der Aktien 475.000 Dollar, immer noch ganz ansehnlich.

Die Rechnung ist in mehrfacher Hinsicht Quatsch: Auf die 1,9 Millionen Dollar käme Schwarz nur, wenn er damals 5.000 Aktien gekauft hätte (5.000 * 384 = 1,9 Millionen). Für die 5.000 Dollar hätte er aber nur 1.515 Aktien bekommen (5000 / 3,30 = 1515).

Aber auch beim Thema Aktiensplits irrt der Mann, der von sich sagt, er habe „wirklich keine Ahnung von der Börse“: Wenn beim Split die Anzahl der Aktien verdoppelt wird, halbiert sich zwar der Kurs der einzelnen Aktie, der Depotwert verändert sich aber nicht. Ein Aktionär hat einfach doppelt so viele Aktien wie vorher. Bei zwei Splits hätte Schwarz heute also 6.060 Aktien (1515 * 2 * 2), die gemeinsam 2,3 Millionen Dollar Wert wären (6060 * 384).

Nach einigen Leserkommentaren, die ein paar mal mehr, mal weniger korrekte Lösungsvorschläge beinhalteten, hat sueddeutsche.de den Fehler transparent korrigiert:

Am 1. Juli 1997 kostete die Apple-Aktie 3,30 US-Dollar, heute (Stand: 17.8.11, Anm.d.R.) ist sie 384 Dollar wert. Ich hätte damals ungefähr 5000 Dollar gehabt. Inzwischen gab es zwei Stocksplits, bei denen die Aktienzahl erhöht und der Wert der Aktie jeweils halbiert wurde. Mein Aktienanteil wäre jetzt also sportliche 2,3 Millionen Dollar* wert.

(…)

* Anmerkung: In der ersten Fassung dieses Gesprächs ist Herrn Schwarz ein Rechenfehler unterlaufen. Vielen Dank an die Kommentatoren, die uns mit der richtigen Zahl weitergeholfen haben.

Jetzt bleibt aber das Problem, dass die einzelne Apple-Aktie niemals 3,30 Dollar gekostet hat. Im Juli 1997 lag sie bei rund 13 Dollar — was sich von den 3,30 Dollar nicht zufälligerweise um den Faktor Vier unterscheidet: Die 3,30 Dollar sind der „um Splits bereinigte Schlusspreis“, mit dem man die Kurse von damals und heute besser vergleichen kann. Gehandelt wurde die Aktie am 1. Juli 1997 zum tiefsten Stand aber für 12,75 Dollar.

Hätte Herr Schwarz bei diesem Stand seine 5.000 Dollar in Apple investiert, hätte er dafür 392 Aktien erhalten (5.000 / 12,75 = 392). Nach den zwei Splits hätte er 1.568 Aktien (392 * 2 * 2), die heute 602.112 Dollar (1.568 * 384) wert wären. Genug für den einen oder anderen Taschenrechner.

Nachdem wir sueddeutsche.de auf den zweiten Denkfehler aufmerksam gemacht hatten, wurde der Artikel erneut überarbeitet:

Am 1. Juli 1997 kostete die Apple-Aktie etwa 13 US-Dollar, heute (Stand: 17.8.11, Anm.d.R.) ist sie 384 Dollar wert. Ich hätte damals ungefähr 5000 Dollar gehabt. Inzwischen gab es zwei Stocksplits, bei denen die Aktienzahl erhöht und der Wert der Aktie jeweils halbiert wurde. Mein Aktienanteil wäre jetzt also sportliche 580 000 Dollar* wert.

(…)

* Anmerkung: In der ersten Fassung dieses Gesprächs ist Herrn Schwarz ein Rechenfehler unterlaufen (er war von dem um Dividenden und Splits bereinigten Schlusspreis der Aktie ausgegangen). Wir danken allen Kommentarschreibern.

Jetzt bleibt eigentlich nur noch die Frage, die ein Kommentator formuliert:

Ich verstehe nicht, warum hier von einer einzigartigen verpassten Möglichkeit für Herrn Schwarz gesprochen wird. Wir hatten doch damals alle die Möglichkeit die Apple-Aktie zu kaufen. Genauso gut hätte wir auch Google-Aktien kaufen können.