Logische Folgen von „logischen Folgen“

„Welt Online“ musste vorgestern eine Gegendarstellung bringen, die gestern auch in der gedruckten „Welt“ stand:

Gegendarstellung Gesine Lötzsch
zu „Danke Linkspartei“ vom 15. 8. 2011

Sie schreiben in der „Welt“ unter „Danke Linkspartei!“: „….hatte Lötzsch argumentiert, die die Mauer als ‘logische Folge’ des Weltkrieges ansieht.“ Dazu stelle ich fest: Ich habe nicht von „logischer Folge“ gesprochen. Ich sehe den Mauerbau nicht als logische Folge des Weltkriegs. Es gab zahlreiche andere historische Chancen als die Teilung Deutschlands.

Berlin, den 16.8.2011

Dr. Gesine Lötzsch

Anm. d. Red.: Frau Lötzsch hat recht. Die Berichterstattung der „Welt“ stützte sich auf zwei Agenturmeldungen. Tatsächlich hat Frau Lötzsch nicht wortwörtlich von „logischer Folge“ gesprochen.

Was hatte Frau Lötzsch dann tatsächlich gesagt und wie war es zu diesen ominösen Agenturmeldungen gekommen?

Gesagt hatte sie:

Ohne den Überfall Hitler-Deutschlands auf die Sowjetunion hätte es ja auch die deutsche Teilung nicht gegeben, dann hätte es auch keinen Mauerbau gegeben.

Dass die deutsche Teilung und der Mauerbau eine Folge des zweiten Weltkriegs (bzw. des Nationalsozialismus) seien, lässt sich aus diesen Worten sicher ableiten, mit der logischen Folge wird es da vielleicht schon kniffliger.

Doch AFP, dapd und dpa haben Lötzsch Äußerungen in mehreren Meldungen so zusammengefasst. Sie alle sprachen von einer logischen Folge, ohne das allerdings als wörtliches Zitat mit Anführungszeichen zu kennzeichnen. Woher diese Formulierung stammt, geht aus all diesen Meldungen nicht hervor.

Möglicherweise fand sie ihren Ursprung in einem Interview, das die „Passauer Neue Presse“ mit FDP-Generalsekretär Christian Lindner geführt hatte:

Frage: Pünktlich zum 50. Jahrestag des Baus der Berliner Mauer provoziert Linksparteichefin Gesine Lötzsch und erklärt, die Mauer sei eine logische Folge des Zweiten Weltkriegs gewesen. Wie bewerten Sie diese Aussagen?

LINDNER: Die Linke verhöhnt die Maueropfer und diejenigen, die jahrzehntelang in Unfreiheit leben mussten. Frau Lötzsch wirkt wie die letzte Regierungssprecherin der DDR. Die Linkspartei ist nicht in der Bundesrepublik angekommen. Ihr Programm zeigt, dass sie ein anderes politisches System will. Wie man mit denen noch koalieren kann, müssen SPD und Grüne beantworten.

Auch in einem sogenannten „Medien-Vorab“, das die „PNP“ an die Agenturen schickte, hieß es:

FDP-Generalsekretär Christian Lindner findet gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ (PNP, Freitagsausgabe) deutliche Worte für die Aussage von Linksparteichefin Gesine Lötzsch, die Mauer sei eine logische Folge des Zweiten Weltkriegs. „Die Linke verhöhnt die Maueropfer und diejenigen, die jahrzehntelang in Unfreiheit leben mussten. Frau Lötzsch wirkt wie die letzte Regierungssprecherin der DDR“, kritisiert Lindner. Die Linkspartei sei nicht in der Bundesrepublik angekommen, so die Liberale. Das Programm der Partei zeige, dass sie ein anderes politisches System wolle. Die Beobachtung durch den Verfassungsschutz sei daher gerechtfertigt.

Seitdem zog sich diese Formulierung durch zahlreiche Agentur-Meldungen und weitere journalistische Texte, bis am Montag in der „Welt“ aus der sehr grenzwertigen Formulierung von der „logischen Folge“ ohne Anführungszeichen eine eindeutig falsche Formulierung von der „logischen Folge“ mit Anführungszeichen wurde.

Gegen die anderen Medien, die die Formulierung nicht als wörtliches Zitat ausgegeben hatten, ist Frau Lötzsch offensichtlich nicht vorgegangen.

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