Doku-Soap, Mailbox, 9Live

6 vor 9

Um 6 Minuten vor 9 Uhr erscheinen hier montags bis freitags handverlesene Links zu lesenswerten Geschichten aus alten und neuen Medien. Tipps gerne bis 8 Uhr an 6vor9@bildblog.de.

1. „Möglichst asozial“
(sueddeutsche.de, Christin Müller)
Eine ehemalige Mitarbeiterin einer Casting-Agentur erzählt, wie aktiv nach möglichen Kandidaten gesucht wird: „Man habe für die penetrierende Recherche wahllos in verschiedenen Dörfern angerufen, sei vom Gemeinderat an den Bürgermeister und von diesem dann weitergeleitet worden, im besten Fall eben zu einem fernsehtauglichen Schicksal, dass sich quotenstark ausschlachten lässt.“

2. „Doku-Soaps: Wahrheit als Ware“
(tagesspiegel.de, Barbara Sichtermann)
Das dokumentarische Fernsehen spalte sich in zwei Lager, schreibt Barbara Sichtermann: „Die seriösen Macher inklusive der Reporter auf der einen Seite, deren Ethos sie dazu verpflichtet, das Material nicht zu manipulieren, sondern so vorzuzeigen, wie sie es angetroffen haben. Und die Reality-Anbieter und Dokusoap-Macher auf der anderen Seite, die sich auf die Sehnsucht des Fernsehens und seines Publikums nach Realität draufsetzen und dann etwas präsentieren, was weit über die Unschärfe hinausreicht von der raffinierten Verzerrung bis zum dreisten Fake.“

3. „1234 – drin!“
(taz.de, Johannes Himmelreich)
Johannes Himmelreich schreibt über illegale Recherchepraktiken: „Man ruft bei einem Prominenten auf dem Handy an, und während es klingelt, wählt ein Kollege dieselbe Nummer, um an die Mailbox zu geraten; dann legt man auf, und der Kollege versucht die Nachrichten auf der Mailbox abzuhören, indem er PINs ausprobiert, etwa ‚1234‘. Findet sich vielleicht ja eine Schlagzeile unter den Nachrichten auf so einer Promi-Mailbox.“

4. „Platzsperre für Reporter“
(sueddeutsche.de, Raphael Honigstein)
Wegen gescheiterten Lizenzverhandlungen dürfen britische Journalisten nicht aus Fußballstadien berichten: „Aktuelle Zwischenmeldungen (‚live updates‘) via Twitter oder andere elektronische Dienste sind den Reportern beispielsweise nur in neun penibel festgelegten Zeitfenstern erlaubt. Es sei absurd, argumentieren die Journalisten, dass ihnen verwehrt sein soll, was dem Fan in der Reihe vor ihnen mit seinem Smartphone oder den nicht im Stadion anwesenden Kollegen erlaubt ist.“ Mehr dazu ist auf guardian.co.uk zu lesen: Artikel vom 4. August / Artikel vom 5. August.

5. „Von Selbstfindung & Leidenschaft: Der Journalist als Marke“
(wasmitmedien.de, Daniel Fiene)
„Es geht nicht darum ein großer Selbstdarsteller zu werden, sondern ein Profil zu bilden und damit zu werben.“

6. „Mach’s gut, Hot Button!“
(fr-online.de, Peer Schader)
9Live: Peer Schader blickt zurück auf den Hot Button, auf Tierarten wie den Laichkrautzünsler oder den Forstenlori und auf die Rolle der Landesmedienanstalten: „Nur wenige Jahre nach dem Programmstart und lediglich einigen tausend Nachweisen in Internetforen, wie 9live seine Zuschauer hinters Licht führt, reagierten die deutschen Medienwächter.“