Gestatten, Presse-Pisser

Man kann Walter M. Straten von „Bild“ gar nicht oft genug zitieren — zumindest was seine Aussagen gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“ kurz nach dem Selbstmord von Robert Enke angehen:

„Wir werden wohl mit extremen Noten etwas vorsichtiger sein“, sagt der stellvertretende Bild-Sportchef. Man werde sich einmal mehr überlegen, „ob der Spieler, der eine klare Torchance vergeben hat, oder der Torwart, der den Ball hat durchflutschen lassen, eine Sechs bekommt oder eine Fünf reicht“.

So bewertete „Bild“ gestern die Leistung von Bayer Leverkusen beim FSV Mainz 05:

Weil die prägenden Bilder des ersten Bundesliga-Spieltags die Aussetzer einiger Torhüter waren, titelte „Spiegel Online“:

Fußball-Bundesliga: Gestatten, Torwart-Trottel

Autor Christian Paul schwafelte unter anderem über Manuel Neuer:

Eine Erklärung für seinen Patzer gegen Mönchengladbach hatte Bayerns Torwart Manuel Neuer schnell gefunden. Er habe durch ein Handspiel außerhalb des Strafraums keine Rote Karte riskieren wollen, sagte der 25-Jährige zu der Szene aus der 62. Minute, die der Borussia den Siegtreffer in München ermöglichte. Äußerlich souverän parierte der mindestens 18 Millionen Euro teure Zugang die Fragen nach seinem missglückten ersten Bundesliga-Spiel für den Rekordmeister.

Bloß nicht darüber reden, wie unglücklich sein Fehlgriff am Strafraumrand aussah, den der Belgier Igor de Camargo per Kopf ausnutzte. Bloß nicht einräumen, wie sehr die Münchner die 0:1-Heimniederlage gegen den Außenseiter schmerzt.

(Dass Paul die Bayern gegen Borussia Mönchengladbach als „hoch überlegen“ bezeichnet, wirft ganz nebenbei auch noch die Frage auf, ob er das Spiel überhaupt gesehen hat.)

Inzwischen hat „Spiegel Online“ die Überschrift zu „Gestatten, Torwart-Tollpatsch“ geändert. Ein Glück, dass es so viele Worte mit „T“ gibt!

Mit Dank an Torsten B., C.W. und V.