Geklitterte Geschichte

„Bild“ druckt in ihrer heutigen Berlin-Ausgabe dieses Foto. Der Fotograf Will McBride hat es am 26.6.1963 in Berlin gemacht, und „Bild“ nennt es zu Recht „eines seiner berühmtesten Bilder“, wie überhaupt der Anlass, währenddessen es entstand, ein ziemlich berühmter ist, den jeder kennt und den „Bild“ so beschreibt:

„John F. Kennedy (links) besucht Berlin. Auf dem Weg zum Roten Rathaus fährt der amerikanische Präsident (…) am Brandenburger Tor vorbei.“

Dumm nur, dass (wie beispielsweise der „Tagesspiegel“ bereits am 25.6.1963 zeigte) Kennedy natürlich keineswegs „auf dem Weg zum Roten Rathaus“ war. Schließlich steht das so genannte „Rote Rathaus“ im Ost-Teil der Stadt und befand sich damals jenseits der Berliner Mauer. Kennedys Fahrt dorthin wäre eine Sensation gewesen. Dass Kennedy stattdessen bloß zum Rathaus Schöneberg im West-Teil der Stadt fuhr, von wo aus er mit Blick auf den (anschließend sogar nach ihm benannten) Vorplatz eine ziemlich historische Rede hielt, kann man ohne Mühe überall nachlesen. Nur nicht in „Bild“.

Mit Dank an Björn S. für den sachdienlichen Hinweis.