Das persönliche Gespräch

Es sind kleine Floskeln, mit denen Zeitungen ihren Lesern suggerieren, dass sie toll und wichtig sind und nicht einfach nur Agenturmeldungen oder Pressetexte irgendwo abschreiben; Floskeln wie „… sagte er gegenüber der XY-Zeitung …“.

Die meisten Zeitungen benutzen solche Formulierungen nur, wenn einer ihrer Mitarbeiter tatsächlich selbst mit jemandem gesprochen hat, der es lohnt, zitiert zu werden. Die „Bild“-Zeitung sieht das nicht so eng. In einem Artikel über den Fund von möglichen Kokain-Spuren auf der Toilette des „Musikantenstadel“ heißt es.

RTL-Redaktionsleiter Frank Biernat zu BILD: „Wir können ausschließen, daß das weiße Pulver bei einer anderen Veranstaltung konsumiert wurde. Die Toilette wurde vor der Veranstaltung peinlich genau gereinigt“.

Es wäre schon ein sehr großer Zufall, wenn Herr Biernat es geschafft hätte, im persönlichen Gespräch mit Herrn Posselt von der „Bild“-Zeitung exakt das gleiche zu sagen, was er in einer Pressemitteilung sagte, die RTL am Donnerstagnachmittag an alle Redaktionen und jeden, der es haben wollte, verschickte, nur etwas kürzer. Nämlich:

Stellvertretender Redaktionsleiter Frank Biernat: „Rückschlüsse auf bestimmte Künstler sind nicht möglich. Wir können aber ausschließen, dass das weiße Pulver bei einer anderen Veranstaltung konsumiert worden ist. Die Proben wurden an Waschbecken und Toilettenspülungen genommen, und die wurden vor der Veranstaltung peinlich genau gereinigt.“

Na, womöglich kann man schon froh sein, dass „Bild“ die an die Welt versandte Meldung nicht „exklusiv“ genannt hat.