Urbi et Orbi?

Es hat natürlich eine gewisse Tragik, dass die Untersuchung der französischen Wissenschaftler über die Resistenz mancher Menschen gegen das HI-Virus ausgerechnet einen Zusammenhang mit der Ausbreitung des Römischen Reiches herstellte, wodurch das Thema quasi zwangsläufig in den Zuständkeitsbereich des Vatikan-Korrespondenten der „Bild“-Zeitung fiel, obwohl Wissen und -schaft eigentlich nicht dessen Spezialitäten sind.

So aber durfte oder musste Andreas Englisch sich der faszinierenden These annehmen, dass die Römer dafür sorgten, dass in Südeuropa weniger Menschen als in Nordeuropa eine Genvariante haben, die dafür sorgt, dass sie gegen Infektionen mit HIV relativ resistent sind. Die unterschiedliche Verbreitung dieser Genvariante in Europe weist verblüffende Ähnlichkeiten mit der Ausbreitung des Römischen Reiches aus. Eric Faure von der Universität der Provence in Marseille erklärt das laut „New Scientist“ damit, dass die Römer in die von ihnen eroberten Regionen Moskitos mit Krankheitserregern brachten, für die besonders die Menschen anfällig waren, die eine Genvariante trugen, die heute gegen das HI-Virus schützt. Diese Menschen seien in den Bereichen, in die die Römer kamen, deshalb teilweise ausgestorben.

Bei Andreas Englisch liest sich das so:

Die Soldaten brachten Tiere mit sich, Lebensmittel und Krankheiten. Diese Krankheiten sorgten dafür, dass die Leute unter römischer Herrschaft andere Gene besitzen als die unabhängiger Regionen.

Die römischen Legionen, die durch das Gebiet des heutigen Deutschlands zogen, nahmen daher unseren Vorfahren die Chance das Schutzschild zu entwickeln.

Das ist, mit ein bisschen Mühe, wenigstens noch viertelrichtig. Grotesk ist aber der erste Satz, den Englisch für seinen Einstieg in das Thema gewählt hat:

Die Ausbreitung des römischen Imperiums und die Karte der Aids-Erkrankungen sind sehr ähnlich (…).

Nein. Bis nach Zentral- und Südafrika, Russland, Zentralamerika und Asien sind die Römer nicht gekommen.

Mit Dank an Uwe S.!