„Bild“ entdeckt Großteil in „Porno-Denkmal“

In der Gemeinde Bodman-Ludwigshafen am Bodensee passiert — vorsichtig ausgedrückt — nicht ganz so viel. Im Moment allerdings stauen sich die Schaulustigen: Ein neues Kunstwerk zeigt unter anderem nackte Politiker. „Unglaublich“ fand „Bild“ das — und brachte am Montag in seinen süddeutschen Ausgaben einen großen Artikel:

Merkel, Stoiber & Co beim Ringelpiez am Bodensee: Ärger um neues Porno-Denkmal

„Unglaublich“ fand „Bild“ auch dies:

Unglaublich: Bürgermeister Matthias Weckbach hat das Kunstwerk auch noch gefördert, ein Großteil der Kosten (35 000 Euro) kommt aus Steuergeldern - vom Touristikamt.

Vielleicht kommt es ein bisschen darauf an, wie man einen „Großteil“ definiert. In diesem Fall wohl ungefähr so (der Großteil ist das Dunkle):

Geldgeber: Sonstige (95,53%), Gemeinde (4,47%)

An den Anschaffungskosten von 35.000 Euro ist die Gemeinde Bodman-Ludwigshafen nämlich mit 1.500 Euro (oder 4,47% 4,29%) beteiligt. Das ist der Zuschuss, den die „Kunstfreunde Bodman-Ludwigshafen e.V.“ von der Gemeinde bekommen haben, wie Bürgermeister Matthias Weckbach im „Südkurier“ klarstellte. Er hat sich deshalb beim deutschen Presserat über die Berichterstattung in „Bild“ beschwert.

Möglicherweise hat „Bild“ die Falschinformation schlicht aus einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa (hier bei der „Schwäbischen Zeitung“) übernommen.

Andererseits ist es nicht so, dass „Bild“ nicht nachrecherchiert hätte, und das sogar mit verschärftem Einsatz: Ein „Bild“-Reporter (oder jemand, der sich als als solcher ausgegeben hatte) soll nach Angaben von Weckbach vor Erscheinen des Artikels mindestens ein Gemeinderatsmitglied telefonisch bedrängt haben, ihm gefälligst Auskunft zu geben. Der Anrufer habe wissen wollen, wie alt der Bürgermeister war und welcher Partei er angehörte.

Mit Dank an Christoph S. für den Hinweis und den Scan.