„Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung!“

"Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien"Ja, das hier links ist tatsächlich ein Ausriss aus der „Bild“-Zeitung. Georg Kardinal Sterzinsky hat beim gestrigen Medienempfang des Erzbistums in Berlin unter anderem die „Bild“-Zeitung kritisiert – und „Bild“ berichtet unter der Überschrift „Erzbischof Sterzinsky kritisiert Medien“ darüber. Das ist ungewöhnlich für „Bild“.

Anlass für Sterzinskys Kritik war die Veröffentlichung eines Leser-Reporter-Fotos, das einen geistig verwirrten, nackten Mann zeigte, der mitten am Tag auf allen Vieren über eine Kreuzung kroch (wir berichteten). „Bild“ hatte das Foto „garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren“, wie Sterzinsky es in seiner Rede ausdrückte (siehe Kasten).

Aus Sterzinskys Rede

„Aber warum dann immer wieder einzelne Entgleisungen – wie jüngst, als ein Verwirrter, der nackt durch die Straßen Berlins kroch, sich in grob kompromittierender Weise in der Zeitung wiederfand, garniert mit zynischen und ehrabschneidenden Kommentaren. ‚Die Wahrheit über den Menschen bekannt gemacht?‘ – Meine Bitte an die Verantwortlichen des Boulevard-Journalismus: Stoppen Sie voyeuristische Berichterstattung! Beenden Sie den Unsinn, Sensationslust und niedere Instinkte durch das fragwürdige Handwerk sogenannter ‚Fotoreporter‘ zu bedienen!“

Offenbar in der Absicht, die Berichterstattung zu entschuldigen, anstatt sich für sie zu entschuldigen, schreibt „Bild“ zu Sterzinskys Vorwurf:

Das Gesicht des Mannes war nicht erkennbar. Eine Nachfrage bei der Feuerwehr, ob in der fraglichen Zeit eine hilflose Person in Neukölln aufgegriffen und ins Krankenhaus gebracht wurde, wurde damals verneint. Am Tag nach der Veröffentlichung berichtete der „Tagesspiegel“, dass es sich bei dem Mann um einen geistig Verwirrten gehandelt hatte.

Demnach rechtfertigt also die Tatsache, dass „Bild“ keinerlei Ahnung hatte, was genau mit dem verwirrten, nackten Mann los war, dass „Bild“ sich über ihn lustig machte, öffentlich zur Schau stellte und als mutmaßlichen „Puffgänger“ verunglimpfte, der zu viel „Schampus intus“ hatte.

Das ist dann wieder nicht so ungewöhnlich für „Bild“.