Allgemein  

Bild.de verliert beim Memory mit Maddie

Selbst wenn man sie Tag für Tag liest, die ganzen unrecherchierten, unredigierten Artikel auf Bild.de, deren Fehler wir in der Masse längst aufgehört haben zu korrigieren — manchmal ist es trotzdem schockierend zu sehen, welche Gleichgültigkeit und Verachtung die Redaktion Tatsachen entgegenbringt. Wie sie nicht einmal das Minimum an Arbeit und Sorgfalt investiert, um bei Artikeln, die sie nur aus anderen Boulevardzeitungen abschreibt oder übersetzt, den Originaltext wenigstens im Kern verstanden zu haben.

Vielleicht ist es auch so, dass Bild.de-Mitarbeiter in diesen Fällen in einer Art redaktionsinternem Memory-Spiel die jeweilige Quelle nur eine Minute gezeigt bekommen und dann mit verbundenen Augen aufschreiben müssen, was sie behalten haben.

Jedenfalls glaubt Bild.de, diese Neuigkeiten über den Fall Maddie aus der britischen Zeitung „Daily Mail“ übernommen zu haben:

Aber das Foto, das Bild.de zeigt, ist nicht von der Polizei geheim gehalten worden. Es ist nicht in einem „Supermarkt in Holland“ aufgenommen worden. Es wurde auch nicht „nur Stunden nach dem Verschwinden von Madeleine McCann (5) aus der Ferienanlage in Portugal in einem Amsterdamer Geschäft gefilmt“. Und das behauptet auch nicht die „Daily Mail“.

Das Foto, das Bild.de zeigt, ist einen halben Tag nach Maddies Verschwinden in einer Tankstelle in Portugal aufgenommen worden. Es ist ihren Eltern noch am selben Tag gezeigt worden, die sofort ausschlossen, dass es sich um ihre Tochter handele. So berichtet es die „Daily Mail“.

Die „Daily Mail“ berichtet in ihrem Artikel auch davon, dass einige Tage später ein Mädchen in einem Geschäft mit Partyartikeln in Amsterdam gesehen worden sei, bei dem es sich um Maddie gehandelt haben könnte. Davon gibt es aber keine Videoaufnahmen oder Fotos. Der „Daily Mail“-Artikel ist also ein Artikel über mehrere Vorfälle.

Die gedruckte „Bild“…

hat es übrigens geschafft, das Foto dem richtigen Land, Zeitpunkt und Vorfall zuzuordnen, fügt aber hinzu: „War es Maddie?“ — eine Frage, die die Eltern laut „Daily Mail“ längst mit Nein beantwortet haben.

Das ist schon zuviel für die Aufmerksamkeitsspanne der Bild.de-Mitarbeiter. Sie haben die Fakten der beiden Fälle so gründlich durcheinander gewürfelt, dass im Ergebnis nichts mehr stimmt. Sie sind schon an der Aufgabe gescheitert, auf der Grundlage eines Artikels einen eigenen Artikel zu schreiben.

Mit Dank an Vengo für den sachdienlichen Hinweis.